Migräne – oder wenn es im Kopf hämmert

Weit mehr als übliche Kopfschmerzen: Migräne beeinträchtigt den Alltag vieler Betroffener und senkt die Lebensqualität. Was den Kopfschmerz ausmacht und wie ihm vorgebeugt werden kann, jetzt im Gesundheitstipp.
Autorin:
Valentina Diaco

Anfallartig, pochend und meist einseitig schmerzhaft: So erleben viele Menschen ihre Migräneattacken. In der Schweiz sind mehr als eine Million Menschen von Migräne betroffen, wobei Frauen besonders häufig darunter leiden.

Mögliche Auslöser einer Migräne

  • Stress
  • Gewisse Nahrungsmittel wie Nüsse, Schokolade oder Wein
  • Unregelmässige Schlafenszeiten, Veränderungen im Tag-Nacht-Rhythmus
  • Hormonelle Schwankungen
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung und entsteht durch eine Fehlregulation von Nerven und Gefässen, wobei letzteres in aktuellen Studien relativiert wird. Das Gehirn reagiert besonders sensibel auf Auslöser wie Stress oder Schlafmangel. Diese Faktoren können zu Fehlsteuerungen im Hirnstamm führen, dem Bereich, der auch für die Schmerzsteuerung zuständig ist. Dadurch können die Hirnhäute mit Schmerzsignalen versorgt werden. Gefässerweiternde Botenstoffe in den Hirnhäuten lösen dann eine leichte Entzündung aus – das erklärt den pulsierenden Schmerz bei einer Migräne.

Die Frage, ob zu den möglichen Ursachen die obengenannten Lebensmittel selbst oder zumindest die Lust auf diese Lebensmittel ein Vorbote der Migräne ist, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt. Ebenfalls hielten Wissenschafterinnen und Wissenschafter in Studien fest, dass die Krankheit erblich bedingt sein kann. 70% der Betroffenen haben mindestens einen Verwandten ersten Grades mit Migräne.

Diese Symptome können auftreten

  • Pochende oder pulsierende, meist einseitig auftretende Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen
  • Bewegung kann den Kopfschmerz verstärken

 
Manchmal geht einem Migräne-Anfall auch eine sogenannte Aura voraus. Diese zeigt sich unter anderem in neurologischen Ausfällen wie Sehstörungen, Ohrgeräuschen oder nadelstichartigen Missempfindungen auf einer Körperseite bis hin zu Schlaganfall-Symptomen. Meist setzen 20-30 Minuten danach die Kopfschmerzen ein.

«Gerade Symptome wie einseitige Lähmungen oder Sprechprobleme während einer Aura können sehr beängstigend für die Betroffenen sein.» Evelyn Mauch, Neurologin bei santé24

Ein Migräne-Anfall kann mehrere Stunden bis hin zu drei Tagen dauern. Geht der Migräneanfall länger als 72 Stunden spricht man von einem «Status migraenosus», der eine sofortige ärztliche Abklärung benötigt.

So kann man Migräne-Attacken vorbeugen

  • Drei Mal pro Woche ein Entspannungsverfahren à 30 Minuten einplanen
  • Drei Mal pro Woche Ausdauer- oder Krafttraining
  • Pausen im Alltag einrichten
  • Magnesium zur Muskelentspannung einnehmen
  • Vitamin B2 für starke Nerven einnehmen

 

Wenn es im Kopf anfängt zu hämmern…

… kann man einen starken Kaffee trinken.

Frühere Studie besagten, dass bei einer Migräne zunächst die Gefässe verengen und dann erweitern. Man geht mittlerweile davon aus, dass die Veränderungen an den Gefässen eher eine Folge als Ursache der Migräne ist.

Das im Kaffee enthaltene Koffein hilft hierbei gleichermassen aufgrund der gefässverengenden Wirkung. Manchen Betroffenen hilft es, dem Kaffee etwas Zitronensaft beizufügen, wobei dessen Wirksamkeit nicht wissenschaftlich erwiesen ist. Darüber hinaus hat Koffein auch schmerzlindernde Eigenschaften und kann Schmerzmittel verstärken. Ebenso kann es entzündliche Prozesse im Gehirn bei Migräne reduzieren.

… kann man gegebenenfalls ein Schmerzmittel einnehmen.

Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei einer frühzeitigen Einnahme durch ihre schmerzstillenden (und bei Ibuprofen auch entzündungshemmenden) Eigenschaften für einen milderen Migräneverlauf sorgen. In der Schweiz sind auch Kombinationspräparate mit beiden Wirkstoffen erhältlich. Vor der Einnahme eines Medikaments ist die Konsultation einer Fachperson empfohlen. Bei rascher Einnahme helfen spezielle rezeptpflichtige Migräne-Medikamente wie die Gruppe der Triptane ebenfalls effizient. Grosse Fortschritte wurde in der Migränebehandlung mit den sogenannten monoklonalen Antikörpern gegen CGRP bei therapieresistenten Formen erzielt.

… soll man sich keine Sorgen machen, wenn der Alltag etwas stehen bleibt.

Migräne wird häufig durch Stress ausgelöst und ein Anfall kann unter Umständen dazu führen, dass der Alltag nicht bewältigt werden kann. Sorgen um eine stagnierende Aufgabenliste erweisen sich in diesem Zusammenhang als kontraproduktiv, da sie eine Migräne begünstigen können.

… soll man es im Nachgang in einem Kopfschmerz-Tagebuch festhalten.

Die Ursachen für eine Migräne sind genauso vielfältig und divers wie die Menschen, die darunter leiden. Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann Betroffenen dabei helfen, Muster zu erkennen und mögliche Trigger zu vermeiden.

Migräne kommt häufig nicht allein

Wenn eine Grunderkrankung mit mindestens einer weiteren, von der Grunderkrankung abgrenzbaren Erkrankung miteinhergeht, dann spricht man von einer sogenannten Komorbidität. Bei einer Migräne lässt sich diesbezüglich ein Zusammenhang mit einer Depression oder Angststörung feststellen. Kurz: Migränikerinnen und Migräniker haben ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken und umgekehrt haben Menschen mit einer Depression ein erhöhtes Risiko, an einer Migräne zu leiden.

Hilfe bei Kopfschmerzen

santé24 bietet SWICA-Versicherten in der Kopfweh-Sprechstunde eine gezielte fachärztliche Beratung und/oder Therapie bei chronischen, wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Migräne an. Vorab kann bereits der Kopfwehkalender heruntergeladen und für den Zeitraum von einer bis vier Wochen ausgefüllt werden. Weitere Informationen finden Sie hier.