Gemeinsam gegen den Anstieg psychisch bedingter Ausfälle

Die Entwicklung der krankheitsbedingten Ausfälle in den letzten 15 Jahren zeigt klar in eine Richtung – nach oben. Da überrascht es nicht, dass insbesondere die psychisch bedingten Ausfälle auch bei der Krankentaggeldversicherung von SWICA stark zugenommen haben. An der Jahresmedienkonferenz des Schweizerischen Versicherungsverbands hat SWICA-CEO Reto Dahinden aufgezeigt, wie die Branche darauf reagiert.
Autorin:
Sarah Bünter

Der Job-Stress-Index der Schweiz zeigt, dass sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend gestresst fühlen. Wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird, endet dies nicht selten in einem Burn-out. Arbeitsunfähigkeiten aus psychischen Gründen dauern im Durchschnitt 218 Tage und sind in 95 Prozent der Fälle Vollzeitkrankschreibungen, wie aus der WorkMed-Studie aus dem Jahr 2022 hervorgeht. Zudem werden 57 Prozent aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten durch Arbeitsplatzkonflikte ausgelöst.

Die Diagnosen zu psychisch bedingten Ausfällen bei der Krankentaggeldversicherung haben seither weiter zugenommen – eine Entwicklung, die der gesamten Branche Sorgen bereitet und sie dazu veranlasst hat, grössere Initiativen zu starten. An der Jahresmedienkonferenz des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV) hat SWICA-CEO Reto Dahinden diese näher vorgestellt.

«Wir haben ein grosses Interesse daran, den Ursachen dieser Zunahme auf den Grund zu gehen. Da sich die Entwicklung über die letzten Jahre noch verschärft hat, begrüssen wir koordinierte Massnahmen mit allen beteiligten Akteuren.» Reto Dahinden, CEO von SWICA

Gemeinsame Initiative für koordinierte, präventive Massnahmen

Gemeinsam mit dem Netzwerk Compasso, das sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die berufliche Integration einsetzt, sowie dem Schweizerischen Gewerbeverband und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband wollen die Versicherer mit einer Studie mehr über die Gründe für diesen Anstieg erfahren. «Denn eine Ursachenbekämpfung ist der bestmögliche Weg, um einen langwierigen, von Leid geprägten Krankheitsausfall zu verhindern», erklärt Reto Dahinden.

Mit der Studie wollen die Versicherer eine differenzierte Grundlage gewinnen, um ihr Angebot zur Unterstützung des betrieblichen Gesundheitsmanagements in den Unternehmen gezielt zu verbessern. Gleichzeitig ermöglicht ihnen die Zusammenarbeit mit dem Gewerbe- und Arbeitgeberverband die Entwicklung gemeinsamer Projekte, um die Wirtschaft für präventive Massnahmen zu gewinnen. «Wir sind überzeugt, dass die wirksamste Möglichkeit, steigenden Prämien entgegenzuwirken, in der Reduktion krankheitsbedingter Absenzen liegt», erklärt der SWICA-CEO.

Partnerschaft als zentraler Pfeiler des Krankentaggelds

Die Initiative verdeutlicht exemplarisch die grundlegenden Mechanismen eines modernen Versicherungswesens. Es basiert auf einem partnerschaftlichen Grundgedanken. Durch diese Zusammenarbeit kann rasch und flexibel auf aktuelle Herausforderungen im Krankentaggeldversicherungsbereich reagiert werden. SWICA und andere Versicherer erzielen so schneller Wirkung als jede langwierige politische Reform.

Freizügigkeitsabkommen statt Obligatorium

Eines dieser Reformprojekte ist die politische Forderung nach einem Obligatorium im Krankentaggeld. Begründet wird diese mit Einzelfällen von Unternehmen, die aus verschiedenen Gründen keine Krankentaggeldversicherung abschliessen konnten. Die Branche hat sich diesem Problem angenommen und das bestehende Freizügigkeitsabkommen angepasst. Darin sind Übertritte von Versicherten bzw. Beständen zwischen den beteiligten Versicherern geregelt. Dadurch sollen Nachteile für die versicherten Personen und Versicherungsnehmer, etwa durch Risikoselektion, vermieden werden.

Neu eingeführt wird eine Vorleistungspflicht der bisherigen Versicherungen, wenn bei einem Wechsel unklar ist, welcher Versicherer für laufende Schadenfälle zuständig ist. Zudem wird ein Zuweisungsverfahren eingeführt, das dann zur Anwendung kommt, wenn ein Arbeitgeber unverschuldet keinen Versicherungsvertrag abschliessen kann. In einem solchen Fall wird er einem Krankentaggeldversicherer im Freizügigkeitsabkommen zugeteilt.

Für Reto Dahinden ist das der richtige Weg: «Mit der Revision des Freizügigkeitsabkommens hat die Branche eine Lösung gefunden, um gezielt die wenigen Lücken, die in Einzelfällen zu Unsicherheit oder Deckungsunterbrüchen führen können zu schliessen.»

«Durch partnerschaftliche Zusammenarbeit reagieren wir rasch, flexibel und zielgerichtet auf Veränderungen in einer schnelllebigen Zeit.» Reto Dahinden, CEO von SWICA

Je stärker das Risiko verteilt wird, desto kleiner das Verantwortungsbewusstsein

Im Versicherungswesen spielt das Verantwortungsverständnis eine grosse Rolle. Der Urzweck einer Versicherung war es immer, existenzielle Risiken gemeinschaftlich abzufedern. Damit ein Versicherungssystem langfristig stabil und gemeinschaftlich finanzierbar bleibt, spielt die Eigenverantwortung aller Akteure im System eine wichtige Rolle.

Werde das Versichertenkollektiv zunehmend ausgeweitet und das Risiko auf immer mehr Köpfe verteilt, so nehme erfahrungsgemäss auch das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Akteure ab, erläutert Dahinden. Die Folge seien höhere Versicherungsprämien. «Mit der Übertragung des Risikos auf ein Kollektiv, vermindert sich auch das Verantwortungsbewusstsein», so Dahinden.

Die vielen Massnahmen und Initiativen zeigten, dass das heutige System in seinem partnerschaftlichen Ansatz funktioniere und flexibel und effizient auf veränderte Bedingungen reagieren könne. Aus Sicht von SWICA sei es deshalb nicht gewinnbringend, ein funktionierendes System komplett zu hinterfragen. «Denn in der grossen Mehrheit aller Fälle funktioniert es reibungslos», erklärt er.

Bildquelle: Swiss Re (© Leonardo Finotti, 2017)