«Das Hantavirus bietet keine Grundlage für ein pandemisches Szenario»
Nachdem sich mehrere Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes «Hondius» mit dem Hantavirus infiziert haben und drei Personen verstorben sind, ist mancherorts bereits ein Covid-ähnliche Ausbreitung befürchtet worden. Gemäss Daniel Kreyenbühl, Apotheker der Onlinepraxis santé24, der dort auch die Reisesprechstunde führt, ist eine solche Entwicklung nach heutigem Wissensstand aus diversen Gründen unwahrscheinlich.
Drei tote Passagiere, mehrere infizierte Reisende und Besatzungsmitglieder, strenge Quarantäne: Was sich auf der «Hondius» vor Teneriffa zugetragen hat, ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was man sich unter einer entspannten Kreuzfahrt vorstellt. Die Ansteckungen führten dazu, dass da und dort bereits über eine neue Pandemie spekuliert wurde.
Für Daniel Kreyenbühl, der als Apotheker bei santé24 auch Reiseberatungen macht, sind diese Befürchtungen übertrieben. Dafür gebe es zahlreiche Gründe. Zunächst einmal sei das Hantavirus, das weltweit in diversen Varianten existiert, zoonotisch. Das heisst: Als Wirte nutzt es primär Nagetiere, nicht Menschen. «Die Übertragung von Mensch zu Mensch über Tröpfchen oder Aerosole, also über den Luftweg, ist bei diesem Virustyp zwar möglich, in der Regel jedoch nicht sehr effizient», so Kreyenbühl. Um sich zu infizieren, müsste man sich sehr nahekommen oder über eine gewisse Zeit den Körperflüssigkeiten oder Aerosolen eines aktiv Erkrankten relativ direkt ausgesetzt sein.
Keine exponentielle Ausbreitung
Auch der Verlauf der Ansteckungen auf der «Hondius» spreche gegen eine pandemische Ausbreitung. Das Ereignis sei klar definiert und eine exponentielle Zunahme von Ansteckungen nicht erkennbar, auch wenn noch einzelne Mitglieder der Schiffsreise positiv getestet werden, die jetzt erst Symptome aufweisen. «Man konnte früh reagieren, und die internationale Zusammenarbeit, die Isolation Betroffener und der Kontaktpersonen sowie die medizinische Versorgung laufen hochprofessionell ab», lobt Kreyenbühl die zuständigen Behörden.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gehen davon aus, dass die Ausbreitung unter Kontrolle gebracht werden konnte. Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung wird als äusserst gering eingestuft.
Reisen sind problemlos möglich
Für Personen, die eine Reise nach Argentinien geplant haben, wo der entsprechende Virentypus herkommt, besteht keine besondere Gefahr. «Der Kontakt mit Mäusen, Ratten und deren Ausscheidungen sollte vermieden werden», erklärt Daniel Kreyenbühl. Bei Unterkünften in der Natur, in Hütten und auf Campingplätzen sei auf Spuren von Nagetieren zu achten. Schmutzige Flächen sollten nicht trocken gereinigt werden, um keinen kontaminierten Staub aufzuwirbeln. «Ansonsten gelten die üblichen Hygienestandards für Lebensmittel. Wer diese beachtet, für den besteht kein Risiko.»
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren kommen weltweit in unterschiedlichsten Varianten vor, die Träger sind jedoch stets Nagetiere. Die Reisenden auf der «Hondius» haben sich mit dem argentinischen Andesvirus infiziert, das Lunge und Atemwege angreift. Diese Ansteckungen können harmlos sein, verlaufen jedoch in 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich, vor allem bei älteren Personen mit Vorerkrankungen, speziell von Lunge oder Herz.
Weit harmloser sind die europäischen und asiatischen Hanta-Varianten, die Fieberschübe auslösen und in seltenen Fällen die Nieren angreifen. Impfungen oder direkte Gegenmittel gegen das Virus gibt es nicht. Die medizinische Versorgung konzentriert sich darauf, die hervorgerufenen Symptome zu bekämpfen. Weitere Informationen finden sich auf der Website des BAG: Hantavirus-Infektionen.