Neue Studie zeigt Gründe für psychisch verursachte Krankschreibungen auf

Neue Studie zeigt Gründe für psychisch verursachte Krankschreibungen auf

57 Prozent aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten werden durch Konflikte am Arbeitsplatz ausgelöst. Rund die Hälfte der Krankgeschriebenen verliert den Arbeitsplatz. Arbeitsunfähigkeiten aus psychischen Gründen dauern im Durchschnitt 218 Tage und sind in 95 Prozent der Fälle Vollzeit-Krankschreibungen. Dies sind Erkenntnisse aus einer repräsentativen Studie, die WorkMed, ein Kompetenzzentrum der Psychiatrie Baselland, gemeinsam mit SWICA durchführte. Als Basis der Auswertung dienten rund 1350 Krankentaggeld-Dossiers von Arbeitnehmenden, die aus psychischen Gründen krankgeschrieben waren. In den Schlussfolgerungen der Studie wird aufgezeigt, welche Massnahmen dazu beitragen könnten, um längere Krankschreibungen und damit Arbeitsplatzverluste zu vermeiden.

Krankschreibungen aus psychischen Gründen nehmen in der Schweiz wie in anderen Industrieländern seit langem stetig zu, psychische Krankheiten epidemiologisch aber nicht. Diese Entwicklung ist nicht nur individuell und für den Betrieb belastend, sondern auch gesellschaftlich und volkswirtschaftlich: Sie stellt die wichtigste Ursache
für Langzeitarbeitslosigkeit und Invalidisierung dar.

Gemeinsam mit WorkMed, einem Kompetenzzentrum der Psychiatrie Baselland für Psyche und Arbeit, führte SWICA eine repräsentative Studie durch, zu der auch die Hochschule Döpfer in Köln (statistische Analysen) und ValueQuest (Programmierung Fragebogen) beigezogen wurden (eine Zusammenfassung der Studie folgt am Ende der Medienmitteilung).

Roger Ritler, Leiter Leistungen Unternehmen, begründet den Auftrag für die Studie wie folgt: «Als grösste Krankentaggeldversicherung der Schweiz mit rund 27 000 versicherten Unternehmen mit insgesamt rund 600 000 versicherten Personen hatte SWICA ein grosses Interesse daran, den Ursachen für diese Entwicklung auf den Grund zu gehen.»

Analysiert wurden rund 2000 Krankentaggeld-Dossiers; davon waren rund 1350 Krankschreibungen aus psychischen Gründen (repräsentativ für alle psychischen Arbeitsunfähigkeiten der SWICA in der ganzen Schweiz) und zum Vergleich knapp 600 vergleichbare Krankschreibungen aus somatischen, also körperlichen Gründen. Die untersuchten Krankschreibungen dauerten von 15 bis zu 730 Tagen und endeten 2019.

Aus der Studie ergeben sich folgende Hauptergebnisse:

Psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeiten dauern im Durchschnitt 218 Tage und sind in 95 Prozent der Fälle Vollzeit-Krankschreibungen. Das ist deutlich länger als die meisten Krankschreibungen aus somatischen Gründen. In rund der Hälfte der Arztberichte ist unklar, warum die versicherte Person nicht arbeiten kann. Zudem fehlt in fast der Hälfte aller Hausarzt- oder Psychiaterberichte eine Prognose bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Ebenfalls fehlen Hinweise, wie die Stelle erhalten werden kann.

Rund die Hälfte der krankgeschriebenen Versicherten verliert denn auch im Rahmen der Arbeitsunfähigkeit die Arbeitsstelle.

Ein grosser Teil der Krankgeschriebenen hatte schon früh (Schulzeit, Ausbildung, frühere Arbeitsstellen) erstmals psychische Probleme. Viele sind sozial isoliert oder haben Probleme in der eigenen Familie.

57 Prozent aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten werden durch Arbeitsplatzkonflikte ausgelöst. Gewisse besonders belastende Arbeitsbedingungen begünstigen eine sehr lange Dauer der Krankschreibung: emotionale und interaktionelle Anforderungen sowie kognitive und hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit. Die Branchen unterscheiden sich sehr deutlich nach Dauer der Krankschreibungen.

Niklas Baer, Leiter WorkMed, gelangt zur Schlussfolgerung: «Wenn es einmal zu konfliktbedingten Arbeitsunfähigkeiten gekommen ist, ist ein Wiedereinstieg sehr schwierig. Oft ist dann das Arbeitsverhältnis auch schon gekündigt. Es braucht darum frühe Massnahmen bei allen Beteiligten, also den Ärzten, den Arbeitgebern aber auch den Versicherern, um solche Eskalationen präventiv zu entschärfen.»

Oberstes Ziel: Stellenverlust vermeiden

Die behandelnden Ärzte sollten stärker unterstützt und geschult werden für einen bewussten Umgang mit Arbeitsunfähigkeitszeugnissen, der den Patienten hilft, ihre Stelle zu behalten.

Hilfreich wäre, wenn Ärzte, Versicherungen und Arbeitgeber Leitlinien entwickeln, wie in schwierigen Situationen so gehandelt werden könnte, dass die Betroffenen
längerfristig im Arbeitsmarkt bleiben.

Die Arbeitgeber sollten stärker sensibilisiert werden, nicht erst spät oder zu spät zu reagieren, wenn eine Situation eskaliert ist – sondern präventiv eine förderliche Haltung und Frühintervention zu verankern.

Die Versicherungen ihrerseits sollten die Unternehmen vermehrt präventiv und pragmatisch unterstützen, damit solche negativen Verläufe verhindert werden können.

Über SWICA
Die SWICA Gesundheitsorganisation ist mit rund 1,5 Mio. Versicherten und rund 27 000 Unternehmenskunden eine der führenden Kranken- und Unfallversicherungen der Schweiz mit einem Prämienvolumen von 5,0 Mrd. Franken. Das Angebot richtet sich an Privatkunden sowie Unternehmen und bietet umfassenden Versicherungsschutz für Heilungskosten und Lohnausfall bei Krankheit und Unfall. SWICA ist ein Gesundheitspartner, der mit überdurchschnittlicher Servicequalität auf ein qualitativ hochwertiges Dienstleistungsangebot setzt. SWICA hat ihren Hauptsitz in Winterthur und ist in der ganzen Schweiz tätig.

 


Über WorkMed
WorkMed als Aussenstelle der Psychiatrie Baselland in Binningen ist ein Start-up mit innovativen Angeboten. WorkMed unterstützt Unternehmen, Arbeitnehmende, Ärzte und Versicherungen bei der Bewältigung psychisch bedingter Arbeitsprobleme. Die Angebote wurden entwickelt auf der Basis von Erfahrungen und Fachwissen aus jahrelanger Praxis, Unternehmensberatung und Forschung. Ein solches Angebot ist zum Beispiel das «Assessment Arbeitsfähigkeit» für Versicherungen, Arbeitgeber und Behörden.

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Porträtfoto von Silvia Schnidrig, Leiterin Unternehmenskommunikation und Mediensprecherin
Silvia Schnidrig
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