Steigende Corona-Fallzahlen
«Menschen mit erhöhtem Risiko sollten Ansammlungen meiden»

Berichte über steigende Corona-Fallzahlen und die neue Omikron-Variante trüben die Aussicht auf unbeschwerte Sommerferien. Dr. med. Silke Schmitt Oggier, Chefärztin Telemedizin santé24, schätzt die allgemeine Lage ein und gibt Tipps zu Impfungen, Selbstschutz und Auslandreisen.

Frau Schmitt Oggier, die neue Omikron-Untervariante BA.5 verbreitet sich auch bei uns. Wie gefährlich ist sie?

Es gibt bisher keinen Anhalt dafür, dass die neue Omikron-Variante gefährlicher wäre, aber sie ist sehr ansteckend.

BA.5 soll den bisherigen Impfschutz umgehen. Auch der Booster schütze nicht davor, heisst es.

Mit Impfungen oder nach durchgemachter Erkrankung ist man wahrscheinlich vor schwereren Verläufen geschützt, nicht aber davor, sich anzustecken und Krankheitssymptome zu entwickeln. Wer selber nicht Risikopatientin oder -patient ist und geimpft ist, wird wahrscheinlich auch bei dieser Infektion nicht heftiger oder länger erkranken als bei einer Erkältung oder schlimmstenfalls Grippe.

Und was bedeutet das nun bezüglich der vierten Impfung? Soll man die machen lassen, um sich sicherer zu fühlen?

Eine jetzige vierte Impfung würde bei Nicht-Risikopersonen wahrscheinlich nichts nützen. Da empfiehlt sich eher im Herbst die neue Doppelimpfung mit Omikron-Anteil, die aktuell noch nicht auf dem Markt ist. Eine dritte Impfung, falls man die noch nicht gemacht hat, könnte jetzt allerdings nützen, da man nur mit der dritten Impfung gegen schwere Verläufe durch Omikron geschützt ist.

Die vierte Impfung ist sehr empfohlen für Hochrisikopatientinnen und -patienten und Immunsupprimierte. Wenn das Covid-Zertifikat abgelaufen ist, man aber für gewisse Länder ein Zertifikat braucht, kann man eine vierte Impfung auf eigene Kosten machen lassen.

Die Covid-19-Fallzahlen steigen zurzeit überproportional. Droht uns nun eine Sommer-Welle?

Im Prinzip ist die Welle in verschiedenen Ländern schon da, die Frage ist eher, wie hoch sie ist oder wird. Ob eine Bevölkerung oder ein Individuum genügend schützende Antikörper hat, ist sehr unterschiedlich und hängt auch mit den Impfzeitpunkten und den bisherigen Wellen im eigenen Land beziehungsweise im eigenen Familien- und Bekanntenkreis zusammen. Bis zum Herbst soll auch eines der antiviralen Medikamente auf Rezept vom Arzt erhältlich sein für Risikopersonen mit positivem Covid-Test, um durch eine frühe Behandlung in den ersten fünf Tagen einen schweren Verlauf zu verhindern.

Heisst es schon bald wieder «Bleiben Sie zu Hause»? Oder kann man ohne Bedenken Ferien buchen und ins Ausland reisen?

Momentan ist einfach alles Eigenverantwortung. Zum Vermeiden einer lästigen Ansteckung in den Ferien kann man versuchen, sich unterwegs mit FFP2-Masken zu schützen. Mehr kann man nicht machen. Man geht ein gewisses Risiko ein, das aber für geimpfte Nicht-Risikopersonen überschaubar ist und aus meiner Sicht durchaus mit den Vorteilen für das psychische Wohlbefinden durch die Reise abgewogen werden kann. Allerdings würde ich persönlich in Europa oder zumindest in Ländern mit zuverlässigen politischen Verhältnissen und Gesundheitssystemen bleiben.

Wer selber Risikopatientin oder -patient ist oder Kontakt zu Betroffenen hat, sollte sich mit FFP2-Masken schützen und auch trotz Maske keine Menschenansammlungen aufsuchen, bei der andere Teilnehmende keine Maske tragen – zum Beispiel Festivals, Flugzeuge, ÖV zu Stosszeiten…. Den Reiseradius und das Transportmittel würde ich hier noch etwas mehr einschränken.

Die Welle ist in verschiedenen Ländern schon da, die Frage ist eher, wie hoch sie ist oder wird. Dr. med. Silke Schmitt Oggier, Chefärztin Telemedizin santé24

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