Ein Ziehen im Unterbauch, vermehrter Harndrang und ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen: Die Beschwerden einer Blasenentzündung treten oft unerwartet auf und machen sich schnell bemerkbar. Jetzt hilft nur noch Cranberrysaft – oder nicht? Ein Blick auf die häufigsten Mythen.
Die Blasenentzündung auch als Zystitis, Cystitis oder Harnwegsinfektion bekannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen der Harnwege. In den meisten Fällen wird sie durch Bakterien ausgelöst, die über die Harnröhre in die Harnblase gelangen und dort eine Entzündung verursachen. Dabei handelt es sich häufig um Darmbakterien wie «Escherichia coli» (E. coli), die natürlicherweise zur menschlichen Darmflora gehören. Gelangen sie in die Harnwege, können sie eine Blasenentzündung verursachen.
Gerade weil die Blasenentzündung eine häufige Erkrankung ist, kursieren zahlreiche Annahmen und Halbwahrheiten. Zu lange auf dem kalten Boden gesessen? Das gibt sicher eine Blasenentzündung. Und wenn man sie erst einmal hat, dann hilft nur noch viel Cranberrysaft. Was ist dran an den folgenden sechs Mythen?
Falsch.
Frauen sind deutlich häufiger von einer Blasenentzündung betroffen, da ihre Harnröhre nur etwa vier Zentimeter lang ist und Bakterien so einen kurzen Weg in die Blase haben. Aber auch Männer können sie bekommen. Bei ihnen steckt öfter eine andere Ursache dahinter, etwa eine vergrösserte oder entzündete Prostata. Männer sollten Beschwerden deshalb immer ärztlich abklären lassen.
Teilweise richtig.
Die Kälte allein löst keine Blasenentzündung aus, dafür braucht es immer Bakterien. Eine Unterkühlung kann aber dazu beitragen, dass die körpereigene Abwehr geschwächt wird: Das Risiko für eine Infektion steigt. Kälte ist also ein begünstigender Faktor, nicht die eigentliche Ursache.
Teilweise richtig.
Geschlechtsverkehr kann das Risiko für eine Blasenentzündung erhöhen, da die Bakterien dadurch leichter in die Harnröhre gelangen können. Das führt aber nicht immer gleich zu einer Infektion. Insbesondere Personen, die auf Blasenentzündungen anfällig sind, haben ein erhöhtes Risiko. Ein einfacher Tipp: Nach dem Sex Wasser lassen. Das kann Bakterien ausspülen, bevor sie sich festsetzen.
Von September bis Oktober nimmt sich der SWICA-Newsroom dem Fokusthema «Frauengesundheit» an. Dabei werden die beiden frauenspezifischen Themen Endometriose und Menopause aus politischer, psychologischer und gesundheitlicher Perspektive beleuchtet.
Die Beiträge finden sich in der SWICA-Gesundheitswelt.
Falsch.
Eine bestehende Blasenentzündung lässt sich mit Cranberry-Produkten nicht heilen. Zur Vorbeugung sieht es etwas besser aus: Eine aktuelle Auswertung vieler Studien zeigt, dass Cranberry-Produkte das Risiko für erneute Infekte bei manchen Menschen senken können, etwa bei Frauen mit häufigen Blasenentzündungen. (Cochrane-Review von 2023). Ein Wundermittel sind sie aber nicht. Und Achtung: Viele Säfte enthalten zudem viel Zucker.
Richtig.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann helfen, Bakterien aus den Harnwegen auszuspülen. Regelmässig trinken hilft zudem dabei, eine Blasenentzündung überhaupt zu vermeiden. Leichte Blasenentzündungen heilen bei sonst gesunden Frauen oft von selbst ab. Nicht immer ist ein Antibiotikum nötig. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Falsch.
Wer immer wieder Blasenentzündungen hat, kann sein Immunsystem gezielt trainieren lassen. Dabei werden abgetötete Bakterien oder deren Bestandteile verabreicht, damit der Körper die typischen Erreger schneller erkennt. In der Schweiz ist dafür eine Kapselkur zugelassen, die seit Jahren eingesetzt wird.
Solche Impfungen ersetzen jedoch nicht die Behandlung einer akuten Entzündung. Sie können aber helfen, weniger Antibiotika zu brauchen. Ob eine Impfung für Sie in Frage kommt, welche Möglichkeiten es gibt Harnwegsinfekte vorzubeugen erfahren Sie in der urologischen Sprechstunde von santé24.
Gehen Sie in diesen Fällen rasch zur Ärztin oder zum Arzt: bei Fieber, Schmerzen in der Flanke oder im Rücken, Blut im Urin, während einer Schwangerschaft oder wenn die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht besser werden. Auch Männer sollten bei Beschwerden, die auf eine Blasenentzündung hindeuten, eine Fachperson konsultieren.
Auf einer Skala von eins bis zehn: Welche Hausmittel können bei einer Blasenentzündung helfen? Dr. Silke Schmitt Oggier, Chefärztin der Onlinepraxis santé24, ordnet ein.