Endometriose betrifft uns alle – nicht nur Frauen

Jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter in der Schweiz leidet an Endometriose. Zehn Jahre vergehen im Schnitt, bis die chronische Krankheit erkannt wird. Ein Bericht des Bundesrates zeigt: Es geht um frühzeitige Erkennung, Sensibilisierung und Massnahmen, um Betroffene gezielter zu versorgen.

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Autor/inAlexandra Sasidharan-Scherrer
3 Minuten Lesezeit16. September 2026

Das Gefühl ist dumpf, stechend, ziehend, bohrend oder messerscharf: Die meisten Frauen fühlen sich während ihrer Menstruation unwohl. Dass dabei auch Schmerzen auftreten können, die dauernd, krampfend und auch mit Schmerzmitteln kaum in Schach zu halten sind, erlebt jede zehnte Frau in der Schweiz. Bei der chronischen Krankheit Endometriose siedelt sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe (Endometrium) ausserhalb der Gebärmutter an. Die chronische Krankheit kann Herde im Bauchraum, an den Eierstöcken, am Bauchfell, an der Blase oder sogar am Darm bilden. Wie Zellen der Gebärmutterschleimhaut dort hinkommen, ist unklar. 

Klar ist aber, dass bei Endometriose auch die der Gebärmutterschleimhaut ähnlichen Zellen ausserhalb der Gebärmutter auf Geschlechtshormone reagieren und den Zyklus quasi mitmachen. So bauen sich die sogenannten Endometriose-Inseln mit dem Monatszyklus auf und werden an dessen Ende wieder abgestossen. Das Problem dabei: Sie können ausserhalb der Gebärmutter nicht mit der Monatsblutung abfliessen.

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«Die Zellreste und das Blut können in der Bauchhöhle zu Schmerzen oder Verklebungen oder in der Nase zu monatlichem Nasenbluten führen.»

Dr. med. Silke Schmitt Oggier, Chefärztin Onlinepraxis

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Schmerzen, Müdigkeit und psychische Probleme

«Problematisch ist auch, wenn diese Inseln ‹mechanisch› stören oder einen Durchgang behindern», erklärt die Ärztin. An den Eileitern oder der Gebärmutterwand sind Endometriose-Inseln häufig der Grund für ausbleibende Schwangerschaften bei Patientinnen. Der unerfüllte Kinderwunsch wie auch die Schmerzen, insbesondere beim Geschlechtsverkehr, können auch die Paarbeziehung sehr belasten.

«Mit Endometriose können zudem Erschöpfung, Fatigue und psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen einhergehen», so Schmitt Oggier. Diese können wiederum die Wahrnehmung von Schmerz verstärken. Nicht selten haben die Betroffenen mit ihren Schmerzen gegen Vorurteile zu kämpfen oder werden nicht ernst genommen. Denn es gibt bisher keine einfache Untersuchung, um Endometriose zuverlässig zu diagnostizieren.

Defizit bei frauenspezifischen Krankheiten

Dass dies aber wichtig wäre, hat der Bundesrat in einem Bericht anerkannt, der diesen Sommer als Antwort auf das an ihn überwiesene Postulat «Strategie für die frühzeitige Erkennung von Endometriose» verfasst wurde. Im Postulat aus 2023 ersuchte die ständerätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur den Bundesrat um eine Antwort auf die Frage, wie Endometriose in der Schweiz behandelt wird; in Bezug auf Frühbehandlung, Sensibilisierung und Forschung.

Es vergehen durchschnittlich zehn Jahre, bis die chronische Krankheit diagnostiziert wird. Eine Früherkennung wäre aber wichtig, da die Endometriose sich mit jedem Menstruationszyklus weiter im Körper ausbreiten kann. Der Bundesrat hat in diesem Bericht nun anerkannt, dass gezielte Massnahmen erforderlich sind, um Endometriose frühzeitig zu erkennen, die Behandlungsqualität zu erhöhen und bestehende Versorgungslücken zu schliessen.

EndoWeek in Zürich

Die Schweizerische Endometriose-Vereinigung Endo-Help organisiert vom 23. bis 30. September 2026 verschiedene Anlässe wie Konzerte, Kurzfilme, Workshops oder Podiumsdiskussionen rund um das Thema Endometriose. 

Zu den Events

Ein gesellschaftliches Problem

Der Bundesrat hat nun erste Massnahmen eingeleitet. Unter anderem wurde die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) beauftragt, frauenspezifische Krankheiten im Rahmen ihrer strategischen Ziele zu berücksichtigen. Des Weiteren müssen das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) überprüfen, ob sich die Versorgungssituation von Betroffenen systematisch darstellen lässt.

Für den Bundesrat steht die chronische Krankheit Endometriose «exemplarisch für bestehende, strukturelle Defizite des Schweizer Gesundheitssystems im Umgang mit frauenspezifischen Krankheiten». Aufgrund der verfassungsrechtlichen Kompetenzordnung sind für ihn aber nach wie vor Gesundheitsfachpersonen und -einrichtungen zuständig, eine zeitnahe und angemessene Diagnose und Behandlung sicherzustellen.

«Die chronische Krankheit Endometriose steht exemplarisch für bestehende, strukturelle Defizite innerhalb des Schweizer Gesundheitssystems im Umgang mit frauenspezifischen Krankheiten.»

Schweizerischer Bundesrat

«Strategie für die frühzeitige Erkennung von Endometriose»

Dass Endometriose weit mehr als ein «Frauenproblem» ist, zeigt sich in Australien und Frankreich, die als erste Länder einen nationalen Endometrioseplan ins Leben gerufen haben. Dieser zielt darauf ab, die Diagnosezeit zu verkürzen, die Forschung massiv auszuweiten und die medizinische Versorgung zu standardisieren. Nach Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ist die chronische Krankheit nicht nur ein Problem für die betroffenen Frauen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn fast die Hälfte aller Frauen mit unerfülltem Schwangerschaftswunsch ist von Endometriose betroffen.

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Frauengesundheit im Fokus

Von September bis Oktober nimmt sich der SWICA-Newsroom dem Fokusthema «Frauengesundheit» an. Dabei werden die beiden frauenspezifischen Themen Endometriose und Menopause aus politischer, psychologischer und gesundheitlicher Perspektive beleuchtet. 

Die Beiträge finden sich in der SWICA-Gesundheitswelt.

Themen in diesem Beitrag:
Frauengesundheit
Prävention

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