Rund eine Million berufstätige Frauen in der Schweiz befinden sich in den Wechseljahren oder in der Postmenopause. Symptome wie Schlafstörungen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme können das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Für Unternehmen sind damit Risiken wie Produktivitätsverluste, Absenzen oder der Verlust erfahrener Fachkräfte verbunden. Dennoch wird das Thema am Arbeitsplatz häufig tabuisiert.
Die Wechseljahre sind kein Randphänomen. Im Gegenteil: In der Schweiz leben rund 1,5 Millionen Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren, wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen. Viele von ihnen befinden sich in einer Lebensphase hormoneller Veränderungen, die mit körperlichen und psychischen Beschwerden einhergehen kann. Die Wechseljahre sind deshalb nicht nur ein Gesundheitsthema, sondern auch für Arbeitgeber von Bedeutung.
Der demografische Wandel verstärkt diese Entwicklung zusätzlich: Mädchen, die heute geboren werden, erreichen im Durchschnitt ein Alter von fast 90 Jahren (Quelle: Dr. Tanja Volm im Podcast NZZ Weekend vom 28.08.2026). Somit werden sie voraussichtlich rund die Hälfte ihres Lebens in der Postmenopause verbringen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und einer älter werdenden Belegschaft gewinnt die Unterstützung von Mitarbeiterinnen in den Wechseljahren an Bedeutung.
Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre und dadurch hervorgerufene Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Zunahme von Schmerzen usw. können sich bei manchen Frauen auf Energie, Konzentration, Belastbarkeit und Wohlbefinden auswirken. Wie stark diese Auswirkungen wahrgenommen werden, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Während manche Frauen nur vorübergehende oder leichte Beschwerden erleben, begleiten die Symptome andere über einen längeren Zeitraum.
Wechseljahresbeschwerden führen nicht zwangsläufig zu Leistungseinbussen. Sie können jedoch die Belastbarkeit im Arbeitsalltag und damit das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen. Das wirkt sich nicht nur auf die betroffenen Frauen aus: Auch die Zusammenarbeit im Team, betriebliche Abläufe und die Führung von Mitarbeitenden können davon betroffen sein.
Von September bis Oktober nimmt sich der SWICA-Newsroom dem Fokusthema «Frauengesundheit» an. Dabei werden die beiden frauenspezifischen Themen Endometriose und Menopause aus politischer, psychologischer und gesundheitlicher Perspektive beleuchtet.
Die Beiträge finden sich in der SWICA-Gesundheitswelt.
Die MenoSupport Suisse-Studie mit mehr als 2'000 berufstätigen Frauen in der Schweiz belegt, dass Wechseljahre und Menopause die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen können. Rund 56 Prozent der Befragten gaben an, dass die Wechseljahre ihre Entscheidung beeinflusst hätten, das Arbeitspensum zu reduzieren, die Stelle zu wechseln, eine Auszeit zu nehmen oder sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Die Untersuchung wurde von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, dem Inselspital Bern und The Women Circle durchgeführt.
Die erhobenen Daten zeigen konkrete Auswirkungen der Wechseljahre auf die Karriereentscheidungen:
Jede fünfte Frau hat ihr Arbeistpensum reduziert.
Wenn Beschwerden wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme den Arbeitsalltag erschweren, kann eine Pensumsreduktion zur Entlastung beitragen. Für Unternehmen bedeutet dies jedoch auch einen möglichen Verlust an Fachwissen, Erfahrung und verfügbarer Arbeitskraft.
Rund 16 Prozent der betroffenen Frauen haben die Stelle gewechselt.
Ein Arbeitsplatzwechsel erfolgt häufig dann, wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr den persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Flexible Arbeitsmodelle, Verständnis im Team und eine offene Unternehmenskultur können dazu beitragen, erfahrene Mitarbeiterinnen langfristig zu halten.
Mehr als zehn Prozent der befragten Frauen haben sich eine Auszeit gegönnt.
Ein Sabbatical kann genutzt werden, um sich zu erholen, die Gesundheit zu stärken oder die persönliche Situation neu zu ordnen. Zwar kann eine solche Auszeit langfristig zur Stabilisierung der Arbeitsfähigkeit beitragen, kurzfristig stellt sie Unternehmen jedoch vor organisatorische Herausforderungen.
Knapp sechs Prozent der Studienteilnehmerinnen sind aufgrund der Wechseljahre frühzeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden.
Ein vorzeitiger Ruhestand ist oft die Folge einer längerfristigen Belastung und fehlender Unterstützung im Arbeitsumfeld. Für Unternehmen kann dies den Verlust erfahrener Fachkräfte und wertvollen Know-hows bedeuten, die in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wichtig sind.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Wechseljahre entstehen selten direkt, sondern vor allem durch indirekte Folgen. Dazu gehören:
reduzierte Produktivität durch Konzentrations- und Schlafstörungen
erhöhte Fehlzeiten aufgrund körperlicher oder psychischer Beschwerden
Präsentismus: Wenn Mitarbeitende zwar arbeiten, jedoch nicht ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen.
zusätzliche Belastungen für Teams bei wiederkehrenden Ausfällen
Know-how-Verlust durch Stellenwechsel oder vorzeitige Austritte
höhere Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten
Unternehmen laufen dadurch Gefahr, erfahrene Fach- und Führungskräfte zu verlieren. Gerade Mitarbeiterinnen zwischen 45 und 60 Jahren verfügen oft über umfangreiche Erfahrung, breite Netzwerke und tiefes Unternehmenswissen. Gehen diese Kompetenzen verloren, entstehen Kosten, die weit über einzelne Krankheitstage hinausgehen.
Obwohl das gesellschaftliche Bewusstsein für die Wechseljahre in den vergangenen Jahren zugenommen hat, bleibt diese Lebensphase in vielen Unternehmen wenig sichtbar. Die MenoSupport-Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen der Relevanz des Themas und seiner Sichtbarkeit im Berufsalltag: 42,7 Prozent der Befragten empfinden die Wechseljahre an ihrem Arbeitsplatz als Tabuthema, und bei 68,2 Prozent wird darüber selten oder nie gesprochen.
Zudem sind fast 57 Prozent der Ansicht, dass ihr aktueller beziehungsweise letzter Arbeitgeber kein Arbeitsumfeld bietet, das auf Ihre Bedürfnisse in dieser Lebensphase ausreichend eingeht.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Wechseljahre gelten häufig als Privatsache und werden deshalb im beruflichen Kontext selten thematisiert. Gleichzeitig bestehen auf vielen Ebenen nach wie vor Unsicherheiten und Berührungsängste. Viele Frauen befürchten zudem, als weniger belastbar oder leistungsfähig wahrgenommen zu werden. Die Folge: Beschwerden werden verschwiegen, Missverständnisse entstehen und bestehende Unterstützungsangebote bleiben ungenutzt.
Unternehmen müssen keine aufwendigen Programme entwickeln, um einen positiven Beitrag zu leisten. Oft können bereits einfache Massnahmen viel bewirken. Ein wichtiger erster Schritt besteht darin, das Thema sichtbar zu machen und offen darüber zu sprechen. Betroffene Mitarbeiterinnen sollten das Gefühl haben, über ihre Situation sprechen zu dürfen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer zuhört, Verständnis zeigt und gemeinsam nach individuellen Lösungen sucht, schafft Vertrauen und signalisiert: Dieses Thema darf angesprochen werden.
Informationen, Workshops oder interne Veranstaltungen helfen dabei, Wissen aufzubauen, Unsicherheiten und Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Wechseljahre zu fördern. Valérie Gardel, Leiterin HR-BGM bei SWICA, bringt es auf den Punkt:
«Wer die möglichen Auswirkungen dieser Lebensphase kennt, kann Veränderungen besser einordnen, sensibler damit umgehen und Missverständnisse vermeiden.»
Valérie Gardel
Leiterin HR BGM, SWICAGleichzeitig entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem sich Betroffene unterstützt fühlen und Hilfsangebote eher in Anspruch nehmen.
Als verantwortungsvoller Arbeitgeber setzt SWICA auf flexible Arbeitsmodelle und eine grosszügige Homeoffice-Regelung. Zudem engagiert sich die Gesundheitsorganisation für das Thema Wechseljahre und Menopause und bietet ihren Mitarbeiterinnen verschiedene Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören:
Klimatisierte Büroräumlichkeiten und Massagen am Arbeitsplatz (standortabhängig) tragen ebenso zu einem wechseljahresfreundlichen Arbeitsumfeld bei. Diese Angebote verfolgen ein gemeinsames Ziel: Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen zu unterstützen und ihnen ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem Gesundheit und Leistungsfähigkeit langfristig erhalten bleiben können.
Ein offener Umgang mit den Wechseljahren lohnt sich auch aus unternehmerischer Sicht. Wer Führungskräfte sensibilisiert, Verständnis fördert und geeignete Rahmenbedingungen schafft, kann Fehlzeiten reduzieren, wertvolles Know-how im Unternehmen halten und die Arbeitgeberattraktivität stärken. Davon profitieren nicht nur Unternehmen, sondern auch betroffene Mitarbeiterinnen, die ihre Aufgaben langfristig gesund und leistungsfähig wahrnehmen können.