Schmerzen im Unterleib, Krämpfe, Verdauungsprobleme – «Das ist halt normal so.» Nein, ist es nicht. Endometriose ist in der Schweiz immer noch ein Tabuthema. Da verwundert es nicht, dass jede zweite Betroffene zuerst die Diagnose Reizdarm erhält. Wie eine darmfreundliche und ausgewogene Ernährung Betroffenen helfen kann, weiss Ellen Weber, Ernährungsberaterin von santé24.
Ungefähr jede zehnte Frau ist in der Schweiz von Endometriose betroffen. Eine leidige Krankheit, oftmals langwierig und schmerzhaft für Betroffene. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter. Manchmal im Unterbauch, im Darm, an Nerven oder am Zwerchfell.
Typisch für das Krankheitsbild von Endometriose sind Müdigkeit oder Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Durchfall, vielfach auch starke Unterleibsschmerzen, unregelmässige und starke Regelblutungen oder Zwischenblutungen. Um die Schmerzen zu lindern, wird der Zyklus oftmals medikamentös unterdrückt. Eine entzündungshemmende Ernährung kann langfristig dabei helfen, die Symptome zu lindern.
«Eine gezielte Ernährung kann Endometriose nicht heilen. Sie ist aber ein wichtiger Baustein im Schmerz- und Symptommanagement.»
Ellen Weber
Ernährungsberaterin BSc BFH, Onlinepraxis santé24Die Krankheitssymptome bei Endometriose sind von Person zu Person sehr unterschiedlich. «Keine betroffene Person ist wie die andere», betont Ellen Weber. Der Darm spielt dabei eine wichtige Rolle – oftmals schon vor der Diagnose. «Betroffene berichten von unspezifischen Symptomen wie Blähungen, Durchfall, Verstopfungen, Übelkeit oder Bauchschmerzen.» Oft wird zunächst ein Reizdarm vermutet. «Fast jede zweite Endometriosebetroffene erhält zuerst diese Diagnose», präzisiert die Ernährungsberaterin.
Das kommt nicht von ungefähr: Menschen mit Endometriose haben eine veränderte Darmflora – und das wiederum hat Einfluss auf die Endometriose-Symptome. Ein gesunder Darm ist elementar für die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen. «Diese Nährstoffe helfen den Zyklus zu regulieren, Knochen zu erhalten, Muskeln zu stärken und sie beeinflussen die Stimmung», erklärt Weber. Herrscht ein Mangel an wichtigen Bakterien, kann das Einfluss auf die Regulierung der Hormone haben.
«Die Pflege der Darmflora ist sehr wichtig – gerade für Frauen, die an Endometriose leiden.»
Ellen Weber
Ernährungsberaterin BSc BFH, Onlinepraxis santé24Ein häufiges Begleitsymptom von Endometriose ist der sogenannte «Endobelly» –ein stark aufgeblähter, schmerzender Bauch. Dieser sollte nicht ignoriert werden. «Der Endobelly ist oft der Grund, warum Endometriosebetroffene die Ernährungsberatung in Anspruch nehmen», meint Weber.
Da die Symptome und deren Auslöser von Person zu Person sehr unterschiedlich sein können, kann ein Ernährungs- oder Symptomtagebuch helfen, Zusammenhänge zwischen Beschwerden, Essen und Linderung von Symptomen besser zu erklären.
On- und offline tummeln sich viele Ratgeber und spezielle Endometriose-Diäten. «Es gibt aber keine allgemeingültige Regel für Endometriosebetroffene, wie sie sich richtig zu ernähren haben. Die Ernährung ist so individuell wie die Krankheit selbst», so die Ernährungsberaterin.
Eine ausgewogene, vielseitige Ernährung mit regelmässigen Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und der Erhalt eines grossen Lebensmittelspektrums ist ein guter Weg. Denn vielfach führen strenge Regeln oft zu zusätzlichem unnötigem Stress im Alltag und können auch zu einer Mangelernährung führen.
Einfach, sinnvoll und vor allem schmackhaft ist die mediterrane Küche. «Sie setzt auf Früchte, viel Gemüse, Vollkornprodukte, hochwertige Pflanzenöle, Hülsenfrüchte und Nüsse», weiss Ellen Weber. Dazu wird regelmässig Fisch konsumiert sowie moderate Mengen an Milchprodukten. Pflanzliche Proteinquellen sollten je nach Verträglichkeit genutzt werden. Rotes Fleisch und Süssigkeiten werden bei dieser Ernährungsweise möglichst reduziert konsumiert.
Die Mediterrane Küche liefert viele verschiedene Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie gilt als entzündungshemmend und sollte bei Endometriose gerade deshalb unbedingt ausprobiert werden.
Eine gute Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen ist bei Endometriose besonders wichtig. Zu dieser Gruppe gehören Eisen, Magnesium, Zink, Selen, die verschiedenen B-Vitamine und antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe. Flavonoide aus Beeren und Äpfeln unterstützen den Darm zusätzlich und Vitamin A, D, und E sind nicht von diesem Speiseplan wegzudenken. Zu diesen Nährstoffen gelangt man langfristig vor allem mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen mediterranen Ernährung.
Bei entzündungshemmenden Ernährungsformen spielen Fette eine wichtige Rolle. Da diese Ernährungsform auch bei Endometriose indiziert ist, lohnt es sich, einen Blick auf die Omega-3-Fettsäuren zu werfen. Diese stecken in fettreichem Fisch, Leinsamen, Chiasamen, Leinöl, Rapsöl und Walnüssen. Stark verarbeitete Lebensmittel sollte man hingegen möglichst reduziert konsumieren. Diese liefern überwiegend entzündungsfördernde Fettsäuren.
Bereits kleine Veränderungen können bei Endometriosen-Beschwerden hilfreich sein. Eine höhere Nahrungsfaserzufuhr durch Gemüse sowie der bewusste Einsatz von gesunden Omega-3-Fettsäuren auf dem Speiseplan können eine Linderung der Beschwerden positiv beeinflussen.
Täglich zwei Portionen Früchte und drei Portionen Gemüse essen.
Vollkornprodukte bevorzugen.
Hochwertige Pflanzenöle wie Raps- oder Leinöl verwenden.
Omega-3-reiche Lebensmittel wie Fisch, Leinsamen oder Walnüsse regelmässig einbauen.
Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren.
Genügend zuckerfreie Getränke konsumieren – das gilt nicht nur für Endometriosebetroffene.
Beschwerden in einem Ernährungs- und Symptomtagebuch festhalten.
Keine unnötigen Verbote aufstellen, sondern eine langfristig umsetzbare Ernährung wählen.
Von September bis Oktober nimmt sich der SWICA-Newsroom dem Fokusthema «Frauengesundheit» an. Dabei werden die beiden frauenspezifischen Themen Endometriose und Menopause aus politischer, psychologischer und gesundheitlicher Perspektive beleuchtet.
Die Beiträge finden sich in der SWICA-Gesundheitswelt.