Schuhe an, Rucksack auf die Schultern und ab in die Berge – Wandern ist ein niederschwelliger Naturgenuss. Auf den zweiten Blick ist der Schweizer Nationalsport jedoch wesentlich komplexer. Eine Orientierung über die passende Ausrüstung, die Touren-Vorbereitung und praktische Helfer für einen gelungenen Ausflug in die Berge.
Wandern gehört zur Schweizer DNA. Gemäss der Studie «Sport Schweiz 2026» des Bundesamts für Sport ist knapp die Hälfte der Bevölkerung auf Wanderwegen unterwegs. Damit die Bewegung in der Natur nicht nur Freude macht, sondern auch sicher bleibt, muss die Ausrüstung zur Route, zum Wetter und zum eigenen Können passen.
Rote Socken, Karohemd und sperriger Rucksack: Diese Zeiten sind längst passé. Neue Materialien und Bewegungsformen – von Trailrunning bis Ultralight-Hiking – haben einen Berg an neuen Kategorien innerhalb der Wanderausrüstung hervorgebracht. Diese Vielfalt kann die Auswahl erschweren. Die folgende Übersicht dient deshalb der Orientierung.
Bevor blind Equipment eingepackt oder gar angeschafft wird, sollte man sich fünf grundlegende Fragen stellen:
Welche Anforderungen stellt die geplante Tour?
Was gehört zur Grundausstattung?
Wie sind meine Erfahrung, Kondition und Trittsicherheit?
Wie sehen Wetter und Wegverhältnisse aus?
Worauf möchte ich nicht verzichten und was sind für mich «Nice-to-haves»?
Nicht jede Wanderung verlangt dasselbe Material. Eine kurze Tour auf einem gelb markierten Wanderweg stellt andere Anforderungen als eine Bergwanderung auf einem weiss-rot-weiss markierten Weg oder eine alpine Route. Entscheidend sind neben Distanz und Höhenmetern auch Untergrund, ausgesetzte Passagen, Wetter, Jahreszeit und mögliche Altschneefelder.
Ebenso wichtig ist eine ehrliche Selbsteinschätzung: Passt die Route zur Kondition, Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit aller Beteiligten? Wer mit Kindern, älteren Personen oder einer grösseren Gruppe unterwegs ist, richtet die Planung am schwächsten Gruppenmitglied aus.
Vor dem Start sollten zudem Zeitreserven, Einkehr- und Auffüllmöglichkeiten sowie Alternativen für einen vorzeitigen Abbruch geprüft werden. Wer allein unterwegs ist, informiert idealerweise eine Drittperson über Route und geplante Rückkehrzeit.
Mehr zur Planung gibt es in der Benevita-Podcast-Episode «Sicher und gezielt wandern» mit Expertinnen- und Expertenstimmen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) und der Wanderwege Graubünden.
Die Grundausrüstung fängt bei passenden Schuhen an. Passend in dreierlei Hinsicht: Wanderschuhe müssen der eigenen Fussform entsprechen, dem Tourencharakter gerecht werden und zum persönlichen Können passen.
Schlecht passende Wanderschuhe stellen mitunter eine Gefahr dar, die über schmerzende Blasen hinausgeht. Wenn der Schuh nicht sauber sitzt und beispielsweise die Ferse rutscht, leidet die Trittsicherheit. Deshalb sollten Schuhe vor dem Kauf im Fachgeschäft anprobiert und idealerweise vor einer längeren Tour eingelaufen werden.
Ob ein Wanderschuh über den Knöchel reichen soll, hängt von der Route, dem Untergrund, dem Gewicht des Gepäcks und den persönlichen Vorlieben ab. Ein höherer Schaft kann zusätzliche Stabilität und Schutz bieten, macht den Schuh aber meist schwerer. Für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie auf unebenem Gelände können höhere Schuhe sinnvoll sein.
Entscheidend bleiben jedoch eine gute Passform, eine griffige Profilsohle und die Eignung für die geplante Route. Erfahrene Wandernde können je nach Untergrund, Witterung, Gepäck und persönlichen Fähigkeiten auch leichtere Schuhe wählen.
Weitere relevante Faktoren beim Schuhkauf sind:
Von der Unterwäsche bis zur Jacke: Hier zählt nicht nur der persönliche Geschmack, sondern vor allem, trocken zu bleiben und sich vor Wind, Niederschlag, Kälte und Sonne zu schützen. Bewährt hat sich das sogenannte Zwiebelprinzip, bei dem mehrere Schichten übereinander getragen werden.
Direkt auf dem Körper liegt eine Basisschicht, die Schweiss vom Körper ableitet. Als zweite Schicht dient eine wärmende Lage, beispielsweise ein Fleecepullover oder eine leichte Isolationsjacke. Je nach Wetter kann eine Softshelljacke Wärme- und Windschutz kombinieren. Die äusserste Schicht schützt bei Bedarf vor Wind und Niederschlag.
Bei der Wanderhose zählen Bewegungsfreiheit, eine schnelle Trocknung und ein zur Witterung passender Schutz. Abnehmbare Hosenbeine können bei wechselnden Temperaturen praktisch sein.
Ob synthetische oder natürliche Materialien wie Wolle besser passen, muss individuell entschieden werden. Für schweisstreibende, längere oder kühle Touren ist Baumwolle wenig geeignet, weil sie Feuchtigkeit speichert und langsam trocknet.
Je nach Jahreszeit gehören Handschuhe und eine warme Kopfbedeckung in den Rucksack. Oft unterschätzt werden passende Wandersocken: Sie transportieren Feuchtigkeit ab, reduzieren Reibung und können Druckstellen und Blasen vorbeugen.
Rucksäcke gibt es in allen Formen und Farben. Entscheidend ist jedoch zunächst das Volumen. Für viele Tageswanderungen eignet sich ein Rucksack mit 20 bis 25 Litern. Je nach Jahreszeit, Tour, Verpflegung und zusätzlicher Ausrüstung kann auch ein kleineres oder grösseres Modell sinnvoll sein. Bei einer mehrtägigen Hüttentour hängt das benötigte Volumen davon ab, was vor Ort vorhanden ist und ob zusätzliche Schlaf- oder Kochausrüstung mitgeführt werden muss.
Darüber hinaus ist die Passform der relevante Faktor. Ein Rucksack sollte gut auf der Hüfte sitzen, an Rücken, Schulter- und Hüftgurten einstellbar sein und auch voll beladen nirgends drücken.
Schwere Gegenstände werden möglichst körpernah und mittig verstaut. Häufig Benötigtes wie Regenjacke, Getränke oder Karten und Sonnencreme sollte schnell erreichbar sein. Das Material sollte möglichst kompakt im Rucksack verstaut sein, damit keine Gewichtsverlagerungen während des Laufens auftreten. Für Instabilität sorgen auch an der Aussenseite des Rucksacks befestigte Dinge – daher lieber alles in, anstatt an den Rucksack packen. Ein Regenschutz oder wasserdichte Innenbeutel schützen den Inhalt. Und als letztes Credo gilt grundsätzlich: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig mittragen.
Zusatzfächer, Halterungen, Material und Gewicht sind individuell. Hier lohnt sich das Ausprobieren im Fachhandel. Ein Rucksack sollte in erster Linie praktisch, bequem und einfach bedienbar sein.
Genügend Flüssigkeit und eine passende Verpflegung gehören auf jede Wanderung. Wer zu wenig trinkt oder mit leerem Energiespeicher unterwegs ist, ermüdet schneller. Das kann die Konzentration und damit die Trittsicherheit beeinträchtigen.
Wie viel Wasser nötig ist, hängt unter anderem von Dauer, Temperatur, Höhenmetern, Intensität und persönlichen Bedürfnissen ab. Bei Hitze, langen Aufstiegen oder fehlenden Auffüllmöglichkeiten sollte grosszügiger geplant werden. Nicht jeder Brunnen führt Trinkwasser, natürliche Quellen können je nach Jahreszeit versiegt sein und Bergrestaurants können geschlossen sein.
Für längere Touren eignen sich gut verträgliche, robuste Lebensmittel und kleine energiereiche Zwischenverpflegungen. Nüsse, Trockenfrüchte, Riegel und dergleichen brauchen wenig Platz und geben genügend Energie.
Aktuelles Kartenmaterial gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Wer mit dem Smartphone navigiert, lädt die Route und das benötigte Kartenmaterial vorab für die Offline-Nutzung herunter. Das Mobiltelefon sollte vollständig geladen sein. Je nach Länge und Abgeschiedenheit der Tour ist eine Powerbank sinnvoll.
Trotz aller modernen Annehmlichkeiten: Elektronik kann ausfallen. Auf anspruchsvolleren oder abgelegenen Touren ist deshalb eine zusätzliche Orientierungsmöglichkeit empfehlenswert, beispielsweise eine Papierkarte. Wichtig ist nicht nur, das Material dabeizuhaben, sondern es auch bedienen zu können.
In der Höhe ist die UV-Strahlung stärker – pro 1000 Höhenmeter nimmt sie um die 10 Prozent zu. Das ist zusätzlich trügerisch, weil die Temperaturen tendenziell kühler sind. Darüber hinaus kann das Wetter in bergigen Gebieten rasch umschlagen. Zur Grundausstattung gehören deshalb Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, Sonnenbrille, Kopfbedeckung und bei Bedarf Lippenpflege mit UV-Schutz. Auf längeren Touren sollte rechtzeitig nachgecremt werden.
Auch bei guter Prognose gehören ein geeigneter Regen- und Windschutz sowie je nach Höhe und Jahreszeit eine zusätzliche Wärmeschicht in den Rucksack. Insektenschutzmittel können abhängig von Region und Jahreszeit ebenfalls sinnvoll sein.
Eine kompakte Apotheke gehört zu jeder Wanderung. Darin enthalten sind beispielsweise Pflaster und Blasenpflaster, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, eine Rettungsdecke und persönlich benötigte Medikamente. Das Material sollte zur Gruppengrösse, Dauer und Abgeschiedenheit der Tour passen und regelmässig auf Vollständigkeit und Haltbarkeit geprüft werden.
Eine detaillierte Liste für die Wander- und Reiseapotheke gibt es in einem separaten Blogbeitrag sowie zum Hören im Podcast SWICA Talks in der Folge «Sommer, Strand und Sonnenbrand: Fit für die Ferien».
In Kombination mit den Pilatus-Bahnen sind dank dem ausgebauten Busangebot von Bus alpin zahlreiche Wanderungen ab der Alp Lütholdsmatt in unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit möglich. Jetzt Tour planen unter Region Lütholdsmatt - Sommer.
Weitere Informationen gibt es beim Benevita-Spendenprojekt Bus alpin.
Von praktischen Helfern bis zur Komfortausrüstung gibt es eine schier endlose Materialliste. Entscheidend dabei ist, welches Equipment für eine geplante Tour sicherheitsrelevant, praktisch und vor allem persönliche Vorliebe ist.
| Gegenstand | Nutzen |
Wanderstöcke Je nach Gelände sinnvoll | Sie können auf rutschigem Untergrund, bei hohen Tritten, mit schwerem Gepäck und besonders im Abstieg zusätzliche Stabilität bieten. Korrekt einstellen und bewusst einsetzen. |
Stirnlampe Je nach Tour sehr empfohlen | Praktisch in Hütten und wichtig bei Verzögerungen, Notfällen oder anbrechender Dunkelheit. |
Powerbank Je nach Tour sinnvoll | Reserve für Navigation und Notfallkommunikation, besonders auf langen oder abgelegenen Touren. |
Thermosflasche Bei Kälte sinnvoll | Ein warmes Getränk kann bei tiefen Temperaturen angenehm sein und zur Flüssigkeitsversorgung beitragen. |
Sitzkissen Komfort | Schützt bei Pausen vor nassem, kaltem oder hartem Untergrund. |
Taschenmesser Optional | Praktisch für Verpflegung und kleinere Reparaturen, aber nicht auf jeder Tour erforderlich. |
Selbst routinierte Wandernde vergessen Dinge – vielleicht gerade deshalb, wenn man Pack- und Planabläufe gewohnt ist. Daher lohnt es sich, eine kurze Checkliste durchzugehen, bevor man aufbricht.
Die beste Ausrüstung ersetzt weder eine realistische Selbsteinschätzung noch die körperliche Vorbereitung. Eine geplante Route sollte stets zur eigenen Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung passen. Genügend Pausen und Verpflegungsstopps sind elementar. Wetter, Zeitplan und Verfassung – die persönliche sowie diejenige der Gruppe – sollten regelmässig im Blick behalten werden.
Bei Erschöpfung, Unwohlsein, einem Wetterumschwung oder schwierigen Wegverhältnissen gilt: frühzeitig umkehren, statt ein unnötiges Risiko einzugehen. Wenn diese Faktoren stimmen und denn man die richtige Ausrüstung dabeihat, steht einem erlebnisreichen Wanderausflug nichts im Wege.