Nachsorgeangebot ANNA: «Das war wie Physiotherapie für die Seele»

Sabrina B.* hat rechtzeitig die Reissleine gezogen. Trotz Erschöpfungsdepression organisiert sie sich eine Kur und ist auch heute noch in Therapie. Das neue Nachsorgeangebot ANNA, eine psychotherapeutische Betreuung durch santé24, und das Care Management von SWICA unterstützen sie in dieser herausfordernden Zeit.

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Autor/inAlexandra Sasidharan-Scherrer
5 Minuten Lesezeit25. August 2026

Meist kommt alles auf einmal – und Sabrina B. ist mittendrin. Anfangs weiss sie nicht, warum sie weint. Mehrmals pro Woche. Sicher, da waren die Sorgen um die Gesundheit ihrer Mutter. Aber auch die organisatorische Herausforderung ihrer Arbeit als Fachlehrerin in Rhythmik bei fünf verschiedenen Arbeitgebern an sechs Arbeitsorten.

«Ich wusste einfach nicht was mit mir los war», sagt die 53-Jährige rückblickend. Sie will stark sein und schämt sich, mit anderen über ihre Situation zu sprechen. Nach einem Treffen mit Freundinnen, die sie ermuntern, das Problem nicht weiter hinauszuzögern, meldet sie sich bei ihrer Hausärztin und lässt sich für vier Wochen krankschreiben.

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Kur statt stationärer Therapie

Noch ein halbes Jahr zuvor musste Sabrina B. ihre Ferien abbrechen und nach Hause reisen, weil ihre Mutter ins Spital eingeliefert wurde. Sie organisiert gemeinsam mit ihren Geschwistern die Betreuung. Sie informiert ihre Arbeitgeber über die neue Situation und gibt sich auf ihrer Arbeit professionell. 

«Mir hat niemand etwas angemerkt», stellt sie ernüchtert fest. Die neue Situation belastet sie psychisch aber so sehr, dass sie irgendwann Blutungen bekommt, die zwei Monate andauern. Der Stress um eine mögliche Ausschabung zerrt zusätzlich an ihren Nerven.

Trotz Krankschreibung will Sabrina B. nicht tatenlose zuhause rumsitzen. Sie ruft Tages- und Burn-out-Kliniken an, lässt sich auf Wartelisten setzen und organisiert sich schlussendlich eine Kur, bevor sie die Onlinepraxis santé24 von SWICA anruft. santé24 empfiehlt ihr das Care Management von SWICA und im Austausch mit Care Managerin Heike Maurer beleuchten die beiden ihre Situation sorgfältig. Dabei wird bald klar, dass Sabrina nicht mehr genug krank ist, um nach der Kur stationär behandelt werden zu müssen.

Heike Maurer empfiehlt ihr deshalb ANNA – die adaptive niederschwellige Nachsorge. Ein neues Angebot von santé24, das Menschen nach einem stationären Aufenthalt bei psychischen Beschwerden oder einer Rehabilitation unterstützt. Ausserdem hilft sie ihr mit dem administrativen Aufwand, wie dem Ausfüllen der Unterlagen für die verschiedenen Krankentaggeldversicherer. 

Von der Klinik in den Alltag

Gemäss Birgit Schmid, Leiterin Psychologie bei santé24, ist wissenschaftlich belegt, dass etwa jede fünfte Person nach einer stationären Behandlung aufgrund psychischer Beschwerden innerhalb von sechs Monaten erneut in eine Klinik oder Kur eintritt. Der Grund dafür liegt meist nicht in der Behandlungsqualität der Klinik oder Kur, sondern im sensiblen Übergang zurück in den Alltag.

Und hier setzt ANNA an: In sechs Sitzungen werden die Patientinnen und Patienten nach Austritt aus der Klinik per Telefon oder Videotelefonie begleitet, um im Alltag und im Job wieder Fuss zu fassen. «Der geschützte Rahmen der Klinik fällt weg, während die alltäglichen Anforderungen wieder unmittelbar spürbar werden», weiss Birgit Schmid aus Erfahrung. «Deshalb wird mit ANNA eine Versorgungslücke geschlossen.

Muster erkennen, Glaubenssätze hinterfragen

Nach der Kur steht für Sabrina B. bereits der erste Onlinetermin mit Eliane Zangger an, Psychologin bei santé24 und Mitarbeiterin im Angebot ANNA. Anfangs noch skeptisch, ist sie heute begeistert: «Weil die Termine eben online waren, konnte ich sie einfach in meinen Alltag integrieren». Sie mag die Art ihrer Psychologin, ihre direkten Fragen, die sie schnell zu anderen Themen bringen, deren Ursprung lange zurückliegt. Sabrina B. fängt an, ihre Muster und festgefahrenen Glaubenssätze zu hinterfragen.

Psychologin Eliane Zangger ist fasziniert, wie Patientinnen und Patienten bei santé24 mit technischen Möglichkeiten unterstützt werden können: «Unsere digitale Plattform kann Gedanken, Gefühle oder Beziehungen sichtbar machen. Gerade das Visualisieren von inneren Prozessen kann helfen, Zusammenhänge greifbarer zu machen. Ich habe erlebt, dass solche Bilder oder Aufstellungen häufig auch zwischen den Sitzungen weiterwirken und den therapeutischen Prozess unterstützen.»

Der Klinikaufenthalt geht zu Ende: ANNA unterstützt im Alltag

Damit die Rückkehr in den Alltag nicht zu einer Überforderung wird, hilft das neue Angebot ANNA (Adaptive niederschwellige Nachsorge) von santé24 nach einem stationären Aufenthalt bei psychischen Beschwerden oder einer Rehabilitation. Denn die Zeit nach dem Austritt ist oft besonders sensibel, da der geschützte Rahmen der Klinik wegfällt und die Anforderungen des Lebens wieder spürbar werden. 

Während sechs Monaten werden deshalb regelmässige Gespräche per Telefon oder Videotelefonie durchgeführt. Falls danach kein Bedarf mehr besteht, werden in einem Abschlussgespräch die Erfahrungen reflektiert. 

ANNA: für mehr Sicherheit nach einem stationären Aufenthalt

Der Wiedereinstieg war zu früh

Nach drei Monaten will Sabrina B. zurück in den Arbeitsalltag und kämpft sich eine Weile lang durch. Als ihre Mutter wieder ins Spital eingeliefert wird merkte sie schnell, dass der Einstieg zu früh ist. Care Managerin Heike Maurer steht Sabrina B. zur Seite, als sich die Frage stellt, ob eine Wiederintegration vielleicht nicht mehr möglich ist und IV (Invalidenrente) beantragt werden muss. 

Sie entscheidet sich dagegen, reduziert ihr Pensum für Dreivierteljahre und meldet sich in einer psychologischen Praxis an, die nach drei Monaten Wartezeit endlich Platz hat. Weil sie sich dort aber nicht wohlfühlt, meldet sich wieder bei santé24 an, wo sie schlussendlich wieder von Eliane Zangger psychotherapeutisch betreut wird. 

Zwei Jahre später weiss Sabrina B., dass die Heilung nach einer Erschöpfungsdepression ihre Zeit braucht und auch heute noch nicht alles so ist, wie es einmal war: «Ich brauche einfach mehr Pausen und eine Portion Gelassenheit». Sie ist dankbar, dass Eltern der Schülerinnen und Schüler, wie auch Arbeitskolleginnen und -kollegen in dieser Zeit sehr verständnisvoll auf ihre Situation reagiert haben. 

Der offene Umgang mit ihrer Situation hat ihr einen möglichen zusätzlichen Stress genommen. Die psychotherapeutische Unterstützung im Rahmen der psychologisch-psychiatrischen Sprechstunde von santé24 hat ihr zudem geholfen, die damaligen Herausforderungen bewältigen zu können und trotzdem auf sich selbst zu achten.

In der Zwischenzeit wurde die Wohnung der Eltern aufgelöst und ein Platz im Altersheim gefunden. «Sie sind glücklich», freut sich Sabrina B. Sie arbeitet heute wieder in ihrem ursprünglichen Pensum und weiss, welch langer Weg hinter ihr liegt, aber auch, dass sie nach mehr als zwei Jahren wieder zu sich selbst und ihrer Kraft Vertrauen fassen kann.

*Name der Redaktion bekannt

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Themen in diesem Beitrag:
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