Impfungen können das Risiko schwerer Infektionskrankheiten senken, indem sie den Körper frühzeitig auf Erreger einstellen. Aus diesem Grund gehört das Impfen zu den wichtigsten Vorsorgemassnahmen, um sich selbst und andere zu schützen – auch wenn man Angst vor Spritzen hat. Eine Übersicht.
Die Geschichte des Impfens ist nichts für schwache Mägen: Bereits im späten 18. Jahrhundert wagte ein britischer Arzt den Versuch, ein Kind vor Pocken zu schützen, indem er ihm den Eiter einer mit Kuhpocken infizierten Frau in die Haut ritzte. Als das Kind Wochen später mit den menschlichen Pocken in Kontakt kam, blieb es gesund.
Die Pocken zählten damals zu den gefährlichsten Krankheiten mit einer Sterblichkeitsrate zwischen 20 und 40 Prozent. Mit dem Erfolg dieses Verfahrens entstanden erstmals Erkenntnisse darüber, wie sich der menschliche Körper gezielt gegen gefährliche Erreger immunisieren lässt.
Das Beispiel zeigt: Infektionskrankheiten können einen schweren Krankheitsverlauf nehmen, einige davon sind sogar lebensbedrohlich. Durch eine Impfung lässt sich das Risiko deutlich senken und viele dieser Erkrankungen können wirksam verhindert werden.
Bei einer Impfung erhält das Immunsystem einen Bestandteil des Erregers oder eine Information über den Erreger. Dadurch bildet der Körper eine Immunantwort. Kommt es später zu einem Kontakt mit dem Erreger, kann das Immunsystem schneller und wirksamer reagieren. Nach einer Impfung können vorübergehend Beschwerden wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Gliederschmerzen oder Müdigkeit auftreten. Diese zeigen, dass das Immunsystem aktiv wird und auf die Impfung reagiert.
Bei bestimmten ansteckenden Krankheiten hilft eine hohe Durchimpfungsrate, die Ausbreitung von Erregern einzuschränken. Man spricht hier von einer sogenannten Herdenimmunität. Je mehr Menschen gegen Krankheiten geimpft sind, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, desto seltener treten diese Krankheiten in der Gesellschaft auf, da sich die Erreger kaum verbreiten können. Das bekannteste Bespiel: Die Pocken.
Einige Impfungen werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Basisimpfungen empfohlen, weil sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz der eigenen Gesundheit und der der Bevölkerung leisten. Ergänzende Impfungen sind darauf ausgerichtet, individuelle Risiken gezielt abzudecken und den Eigenschutz zu gewährleisten. Je nach Erreger ist der entsprechende Impfstoff Teil einer Kombinationsimpfung. So schützt eine einzige Impfung gleichzeitig vor mehreren Infektionskrankheiten. Ein Beispiel ist die DTPa-Impfung, die mit nur einer Spritze vor Diphtherie, Tetanus und Pertussis schützt.
Damit der Körper frühzeitig auf potenziell gefährliche Impferkrankungen geschützt ist, werden die meisten Impfungen bereits im Kindes- und Jugendalter verabreicht.
Diphtherie wird durch Bakterien verursacht, die ein gefährliches Gift produzieren. Dieses Gift kann besonders Herz, Nerven und weitere Organe schwer schädigen. Weitere Informationen zu Diphtherie.
Kombinationsimpfung: Ja
Tetanus wird durch Bakterien verursacht, die ein gefährliches Gift produzieren. Dieses Gift kann das zentrale Nervensystem angreifen und zu starken Muskelkrämpfen oder Lähmungen führen. Weitere Informationen zu Tetanus.
Kombinationsimpfung: Ja
Pertussis zählt zu den hochansteckenden bakteriellen Infektionskrankheiten der Atemwege, die durch ein Gift schwere Hustenanfälle auslösen kann. Besonders Säuglinge können von schweren Verläufen betroffen sein. Damit der Säugling bereits in den ersten Lebensmonaten geschützt ist, empfiehlt sich für Schwangere eine Keuchhustenimpfung. Weitere Informationen zu Pertussis.
Kombinationsimpfung: Ja
Poliomyelitis, kurz Polio, wird durch Polio-Viren ausgelöst und kann in seltenen Fällen zu einseitigen, schlaffen Lähmungen führen. Obwohl viele Gebiete, darunter auch Europa, als poliofrei gelten, braucht es zur Verhinderung einer Wiedereinschleppung und Ausbreitung eine hohe Durchimpfungsrate. Weitere Informationen zu Polio.
Kombinationsimpfung: Ja
Bei Haemophilus influenzae Typ b handelt es sich um ein Bakterium, das bei Säuglingen und Kleinkindern leichte bis schwere Infektionen auslösen kann. Zu den schwersten Erkrankungen nach einer Ansteckung gehören Hirnhautentzündungen und Entzündungen des Kehldeckels. Weitere Informationen zu Haemophilus influenzae Typ b.
Kombinationsimpfung: Ja
Hepatitis ist eine durch Viren verursachte Leberentzündung, die über Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen wird. In wenigen Fällen kann es zu einer chronischen Hepatitis B kommen, die Leberzirrhose oder Leberkrebs hervorrufen kann. Ein Teil der Infektionen kann chronisch werden. Eine chronische Hepatitis B kann meist kontrolliert, aber nur selten vollständig geheilt werden. Weitere Informationen zu Hepatitis B.
Kombinationsimpfung: Ja
Pneumokokken sind Bakterien, die von Mensch zu Mensch übertragen werden. Besonders bei Kleinkindern, älteren Menschen und Risikopersonen können sie schwere Erkrankungen wie eine Lungen- oder Hirnhautentzündung auslösen. Jedes Jahr treten in der Schweiz mehrere hundert bis über tausend invasive Pneumokokken-Erkrankungen auf. Weitere Informationen zu Pneumokokken.
Kombinationsimpfung: Nein
Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen) sind hochansteckende Virusinfektionen, die in jedem Alter auftreten können und zum Teil schwere Komplikationen verursachen.
Masern können zu Lungen- oder Hirnentzündungen führen, Mumps birgt insbesondere für Männer nach der Pubertät das Risiko einer Hodenentzündung, und Röteln sind während der Schwangerschaft besonders gefährlich, weil sie beim ungeborenen Kind schwere Schäden hinterlassen können. Windpocken verlaufen bei Kindern meist harmlos, können in manchen Fällen jedoch Komplikationen verursachen. Das Virus kann zu einem späteren Zeitpunkt erneut aktiv werden und zu einer Gürtelrose führen.
Für eine Immunisierung vor diesen vier Virenerkrankungen gibt es eine Kombinationsimpfung, mit der man sich mit nur einer Spritze vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken schützt.
Weitere Informationen zu Masern.
Weitere Informationen zu Mumps.
Weitere Informationen zu Röteln.
Weitere Informationen zu Windpocken.
Humane Papillomaviren werden hauptsächlich durch sexuelle Kontakte übertragen und sind eine der häufigsten Ursachen für Krebserkrankungen im Genitalbereich, insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Die HPV-Impfung schützt zuverlässig vor den wichtigsten krebsauslösenden Virustypen und wird generell allen Jugendlichen im Alter von elf bis 14 Jahren, vor Beginn der sexuellen Aktivität, empfohlen. Nachholimpfungen werden bis zum 26. Geburtstag empfohlen. Weitere Informationen zu HPV.
Kombinationsimpfung: Nein
Erwachsene zwischen 25 und 65 Jahren benötigen in der Regel nur Auffrischimpfungen der Basisimpfungen und sollten bestehende Impflücken schliessen.
Für Reisende können je nach Reiseziel, Reisestil, Alter und Aufenthaltsdauer zusätzliche Impfungen wie Gelbfieber, Tollwut, Typhus oder Hepatitis A sinnvoll sein. Die Aufzählung der vorhandenen Reiseimpfungen ist nicht abschliessend.
Für Schwangere sind im Winterhalbjahr die Impfungen – je nach aktueller Empfehlung – gegen Covid-19, Grippe und Pertussis empfohlen. Die RSV-Impfung ist ebenfalls ratsam, wenn das Kind im Winterhalbjahr, konkret zwischen Oktober und März, auf die Welt kommt, wird sie der Mutter zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche verabreicht.
Kommt das Kind voraussichtlich zwischen April und September zur Welt, kann es ab Oktober eine Antikörper-Dosis mit Nirsevimab erhalten. Besonders in den ersten sechs Monaten sind Säuglinge verwundbar und anfälliger für Infektionen.
Für Seniorinnen und Senioren ist ein umfassender Impfschutz besonders wichtig, da das Risiko für schwere Krankheitsverläufe im Alter steigt. Bei älteren Erwachsenen sollten die Basisimpfungen gemäss Impfplan auf aktuellem Stand sein und fehlende Impfungen nachgeholt werden.
«Mir ist wichtig, Menschen verständlich und ehrlich zu Impfungen zu beraten – damit informierte Entscheidungen möglich werden, die sowohl dem Einzelnen als auch der Gemeinschaft zugutekommen.»
Daniel Kreyenbühl
Apotheker bei santé24Rotaviren gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen schwerer Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Übertragung erfolgt meist durch Schmierinfektion über den Mund, insbesondere über ungewaschene Hände. Typische Symptome sind Fieber, Erbrechen und starke, wässrige Durchfälle, die zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten führen können. Schätzungen zufolge führen Ansteckungen mit Rotaviren in der Schweiz jährlich zu rund 1000 Hospitalisationen. Weitere Informationen zum Rotavirus.
Kombinationsimpfung: Nein
Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien verursacht und können zu schweren Komplikationen wie Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche sowie Personen mit erhöhtem Risiko. Schutz bieten Impfungen gegen die wichtigsten Serogruppen: Die Impfung gegen Meningokokken B sowie die Vierfachimpfung gegen die Serogruppen A, C, W und Y werden empfohlen. Weitere Informationen zu Meningokokken-Erkrankungen.
Kombinationsimpfung: Nein
FSME ist eine Viruserkrankung, die durch den Stich einer infizierten Zecke übertragen wird. Besonders in der Schweiz, wo fast das ganze Land als FSME-Risikogebiet gilt, ist der Schutz wichtig. Die Erkrankung kann in schweren Fällen das zentrale Nervensystem betreffen. Die Impfung wird allen Personen ab drei Jahren empfohlen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Weitere Informationen zu FSME.
Kombinationsimpfung: Nein
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist vor allem in der kalten Jahreszeit weit verbreitet. Es verursacht Erkrankungen der Atemwege und betrifft Menschen jeden Alters. Besonders gefährdet sind jedoch Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen. Für Säuglinge steht der Antikörper Nirsevimab zur Verfügung. Weitere Informationen zu RSV.
Kombinationsimpfung: Nein
Die Grippe, auch Influenza, wird durch Influenza-Viren ausgelöst und ist sehr ansteckend. Besonders bei älteren Menschen, Schwangeren und chronisch Erkrankten kann sie zu schweren Komplikationen führen. Die Wirksamkeit der Grippeimpfung hängt von der Saison und von der Durchimpfungsrate in der Bevölkerung ab. Weitere Informationen zur Influenza.
Kombinationsimpfung: Nein
Covid-19 wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst. Die Symptome reichen von milden bis zu schweren Verläufen, wobei insbesondere ältere Menschen, Schwangere und jüngeren Personen mit bestimmten Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben. Auch länger andauernde Beschwerden, bekannt als Post-Covid-19 oder Long Covid, können auftreten. Weitere Informationen zu Covid-19.
Kombinationsimpfung: Nein
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist vor allem in der kalten Jahreszeit weit verbreitet. Es verursacht Erkrankungen der Atemwege und betrifft Menschen jeden Alters. Besonders gefährdet sind jedoch Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen. Die RSV-Impfung wird als ergänzende Impfung für alle Personen ab 75 sowie für bestimmte Risikopersonen ab 60 Jahren empfohlen. Sie ist im Jahr 2026 nicht in den Schweizerischen Impfplan integriert, weil keine Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenversicherung (OKP) besteht. Weitere Informationen zu RSV.
Kombinationsimpfung: Nein
Gürtelrose ist eine schmerzhafte Viruserkrankung, die durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus entsteht – dem gleichen Erreger, der in der Kindheit Windpocken verursacht. Nach einer Windpockeninfektion bleibt das Virus lebenslang im Körper und kann insbesondere im höheren Alter oder bei geschwächtem Immunsystem erneut ausbrechen. Die Impfung senkt das Risiko für Gürtelrose und deren Komplikationen deutlich. Weitere Informationen zur Gürtelrose.
Kombinationsimpfung: Nein
Pneumokokken sind Bakterien, die von Mensch zu Mensch übertragen werden. Besonders bei Kleinkindern, älteren Menschen und Risikopersonen können sie schwere Erkrankungen wie eine Lungen- oder Hirnhautentzündung auslösen. Jedes Jahr treten in der Schweiz mehrere hundert bis über tausend invasive Pneumokokken-Erkrankungen auf. Weitere Informationen zu Pneumokokken.
Kombinationsimpfung: Nein
Die Informationen sind auf dem Stand von Juni 2026. Beachten Sie, dass sich Empfehlungen jederzeit ändern können. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesamts für Gesundheit.