Hörverlust ist nicht nur eine lästige Begleiterscheinung des Alterns, sondern kann schwerwiegende Folgen für die geistige Gesundheit haben: Rund acht Prozent der weltweiten Demenzfälle im mittleren Lebensalter werden mit einer unbehandelten Schwerhörigkeit in Verbindung gebracht. Doch wie unterscheiden wir zwischen altersbedingten Hörproblemen und einer beginnenden Demenz?
Evelyn Mauch, Neurologin und leitende Ärztin bei santé24, erklärt im Interview, welche Rolle moderne Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Cochlea-Implantate spielen und was gegen Schwindel hilft.
Es ist in der Tat wichtig zu unterscheiden, ob jemand an Demenz leidet, oder ob es sich nur um eine leichte Einschränkung des Hörvermögens handelt. In einer Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfs kann man degenerative Veränderungen sehen. Eine beginnende Demenz hat aber viele Faktoren und zeigt sich zum Beispiel darin, dass das Kurzzeitgedächtnis eingeschränkt ist, oder dass je nachdem auch die räumliche Orientierung nicht mehr so gut ist. Sich in dieser Hinsicht nicht mehr zurechtzufinden, ist jedoch nicht Teil des normalen Alterungsprozesses. Wenn eine Demenz vorliegt und die betroffene Person eine Hörschwäche hat, dann wird man auch einen Zusammenhang herstellen. Anhand des Ausmasses einer Hörschwierigkeit kann man keine Rückschlüsse ziehen, ob diese nur auf den normalen Alterungsprozess zurückzuführen ist, oder ob eine Demenz vorliegt.
Nein, nur wenn es andere Anzeichen für eine Demenz gibt, wie zum Beispiel kognitive Einschränkungen. Aber ich würde jedem älteren Menschen, der das Gefühl hat, schlecht zu hören, empfehlen, sich untersuchen zu lassen. Einfach prophylaktisch, um einer möglichen, späteren Demenz vorzubeugen. Hörprobleme sind ein Risiko, das oft unterschätzt wird. Viele ältere Menschen denken, dass ein nachlassendes Hörvermögen zum normalen Alterungsprozesses gehört. Doch nicht jeder ältere Mensch hört zwangsläufig schlechter.
Im Prinzip kann man sich das Cochlea-Implantat wie eine Hörprothese vorstellen, die Sprache und Geräusche in elektrische Impulse umwandelt, um den Hörnerv zu stimulieren. Die Technik besteht aus einem Audioprozessor mit einem Mikrofon, das die Schallsignale der Umgebung aufnimmt. Der Audioprozessor wandelt die Schallsignale in elektrische Impulsmuster um, die dann durch die Haut an das Implantat gesendet werden. Das Implantat leitet die Impulse an Elektroden in der Hörschnecke (Cochlea) weiter. Der Hörnerv empfängt diese Impulse und leitet sie dann an das Gehirn weiter, quasi als akustisches Ereignis. Es handelt sich also um ein komplexes Zusammenspiel mehrerer physikalischer Schaltkreise. Während ein Hörgerät bei einem leichten oder mittleren Hörverlust geeignet sein kann, kommt ein Cochlea-Implantat erst dann zum Einsatz, wenn mit einem «klassischen» Hörgerät nichts mehr auszurichten ist.
Der Eingriff dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Am Mastoid, dem festen Knochen hinter dem Ohr, den man auch spürt, wird eine Öffnung, bzw. ein Zugang zur Cochlea geschaffen. Dabei muss die Chirurgin oder der Chirurg darauf achten, dass keine Nerven verletzt werden. Dann wird der Elektrodenträger eingeführt, am Knochen fixiert und die Öffnung wieder verschlossen. Von aussen ist das Mastoid am Warzenfortsatz sichtbar, wo zum Beispiel Kinder dieses Gerät tragen. Wie bei jeder Operation besteht das Risiko einer Infektion. Ein weiteres Risiko ist die Abstossung des Implantats. Das bedeutet, dass der Körper den Elektrodenträger nicht annimmt, ähnlich wie bei einer Organtransplantation, weil die Patientin oder der Patient das Material nicht verträgt. Eine weitere mögliche Komplikation ist der Verlust eines noch geringfügig vorhandenem Restgehörs durch den Eingriff. Generell können auch Gesichts- oder Geschmacksnerven durch die Operation geschädigt werden. Die grösste Gefahr ist jedoch eine Infektion.
«Viele ältere Menschen denken, dass ein nachlassendes Hörvermögen zum normalen Alterungsprozess gehört. Doch nicht jeder ältere Mensch hört zwangsläufig schlechter.»
Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, woher der Schwindel kommt: vom Kleinhirn oder vom Ohr. Wenn er vom Kleinhirn kommt, kann es natürlich auch ein Schlaganfall sein. Wir müssen also immer ganz genau unterscheiden, ob es zentral oder peripher ist. Bei einem peripheren Schwindel, der vom Innenohr ausgeht, sind immer das Gleichgewichtssystem, die Augen, die Tiefensensibilität und die Propriozeptoren, das sind Sensoren in Muskeln und Gelenken, beteiligt. Bei einem Schwindelanfall erhalten sie alle widersprüchlichen Informationen. Mit anderen Worten: Wenn uns schwindelig ist, sehen wir mit den Augen etwas anderes, als uns das Gleichgewichtssystem meldet, und wir nehmen auch noch den Boden anders wahr. Zum Beispiel auf einem schwankenden Schiff oder beim Autofahren. Kurz gesagt: Das, was wir wahrnehmen, und das, was wirklich ist, stimmen aufgrund widersprüchlicher Informationen nicht überein. Das löst Schwindel aus und führt zu einer Fehlinterpretation der Körperhaltung und der Bewegung.
Auf einem schwankenden Schiff empfiehlt es sich, einen Punkt am Horizont zu fixieren ‒ das ist dann die Konstante. Das hilft, damit das, was man wahrnimmt, wieder mit der Realität übereinstimmt. Je nach Situation kann es auch helfen sich hinzusetzen oder hinzulegen. Beim Hinlegen ist es aber sehr wichtig, die Augen nicht zu schliessen. Da dann die Fixierung des Punktes fehlt, kann sich der Schwindel bei geschlossenen Augen sogar noch verstärken. Manchen hilft es auch, bewusst zu Atmen. Wenn man sich auf etwas anderes konzentriert, wiegt die Fehlinformation nicht mehr so schwer. Ausserdem sollte man vermeiden, den Kopf schnell hin und her zu bewegen. Wenn der Schwindel sehr stark ist, gibt es auch entsprechende Medikamente, die man einnehmen kann.
Vorbeugend können Gleichgewichtsübungen, wie das Balancieren auf dem Balanceboard, einem instabilen Brett mit integrierter Kugel, helfen. Dadurch wird die Propriozeption, also die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Lage im Raum, trainiert. Zudem werden durch die Übungen auf instabilen Unterlagen auch die Tiefensensoren in Muskeln und Gelenken trainiert. Das Gehirn gewöhnt sich daran und reagiert weniger empfindlich auf Schwindel. Eine einfache Übung ist zum Beispiel, auf einem Bein zu stehen und bis zwanzig zu zählen. So fordert man sich auch kognitiv. Manche Menschen neigen aber einfach mehr zu Schwindel als andere.
Grundsätzlich wird die Vergütung eines Hörgerätes im Rahmen der Vorgaben der jeweiligen Sozialversicherung (AHV, IV, Unfall- oder Militärversicherung) abgewickelt.
Die obligatorische Grundversicherung übernimmt nur Hörgerätekosten, wenn jemand nicht bei der AHV/IV versichert ist. SWICA beteiligt sich aus der Zusatzversicherung mit dem Hilfsmittelbeitrag an Hörgeräten, sofern eine Vergütungspflicht der AHV/IV besteht. Reparatur- und Unterhaltskosten sowie Verbrauchsmaterial sind im Kauf-/Mietpreis inbegriffen und werden nicht zusätzlich übernommen.
| Completa Top / Completa Forte | 90 % | CHF 200.–* |
| Optima | +90 % | CHF 300.–* |
| Supplementa | +90 % | CHF 500.–* |
Die häufigsten Erkrankungen des Gehörs sind Mittelohrbelüftungsstörungen, Tubenmittelohrkatarrh, Hörsturz und Altersschwerhörigkeit. Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Innenohrschwerhörigkeit ohne vorausgegangenes Ereignis, wie beispielsweise eine Entzündung oder Lärm. Ausserdem kann eine übermässige Ansammlung von Ohrenschmalz zu einer Verstopfung des Gehörgangs führen. Sie alle führen unbehandelt zu einer Schwerhörigkeit. Im Rahmen einer Erkältung oder einer anderen Infektion der oberen Atemwege kann die Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigt sein, bis hin zu «Schnupfen» und Wasser im Mittelohr, was ebenfalls zu einer Hörminderung führt. Dieses Problem kann mehrere Wochen bis Monate andauern. Die Altersschwerhörigkeit tritt meist zwischen dem vierzigsten und sechzigsten Lebensjahr auf und betrifft vor allem die hohen Frequenzen. Die Betroffenen haben oft das Gefühl, dass die Menschen um sie herum undeutlich sprechen.
Bei Verstopfung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz: professionelle Reinigung des Gehörgangs. Bei Belüftungsstörungen hilft nur Abwarten und regelmässiger Druckausgleich. Bei Altersschwerhörigkeit werden Hörgeräte empfohlen. Gutes Hören ist auch notwendig, um Demenz vorzubeugen. Natürlich gibt es auch seltenere Erkrankungen wie die Verknöcherung der Gehörknöchelchen im Mittelohr, die auch operativ behandelt werden kann, zum Beispiel mit einer Mittelohrprothese. Bei einem Hörsturz muss manchmal mit Kortison behandelt werden.
Bei lauten Umgebungsgeräuschen wie beispielsweise in der Diskothek, bei Feuerwerken, auf Schiessständen oder bei anderen lauten Hobbys, sollte das Gehör mit Ohropax oder Pamir geschützt werden. Auch bei Smartphones kann die Lautstärke reguliert werden.
Bei Babys das obligatorische Neugeborenen-Screening. Dabei wird überprüft, ob die Kinder auf beiden Ohren normal hören. Das ist wichtig, um angeborene Hörstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Auch Kleinkinder und Jugendliche sollten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmässig auf ihr Gehör getestet werden, was in der Schweiz Standard ist. Manchmal werden Hörstörungen erst dann bemerkt. Bei Senioren empfehle ich einen Hörtest, sobald erste Hörprobleme auftreten. Eine frühzeitige Hörgeräteversorgung ist sehr wichtig und erfolgversprechender, als wenn der Hörnerv bereits nicht mehr so gut funktioniert.