Die gesundheits­politischen Standpunkte von SWICA

In den Standpunkten nimmt SWICA Stellung zu wichtigen politischen Fragen und Entwicklungen im Gesundheits- und Krankenversicherungswesen.
Wir müssen weniger über Prämiensenkungen diskutieren und mehr darüber, welche Struktur unser Gesundheitssystem künftig haben soll. CEO Reto Dahinden
(Schweizer Versicherung, Ausgabe 10/2019)
Im Interview in der Zeitschrift Schweizer Versicherung spricht SWICA-CEO Reto Dahinden darüber, wie sein ideales Gesundheitssystem für unser Land aussieht. Lesen Sie seine Antworten zu Fragen rund um die aktuelle Prämiensituation.

Schweizer Versicherung, Ausgabe 10/2019

Wie hoch die Prämien einer Krankenversicherung sind, ist streng reguliert: Die Versicherer legen die Prämien jeweils auf Basis der Kosten fest, die sie für das folgende Jahr erwarten. In diese Rechnung fliesst auch mit ein, wie viele Reserven der jeweilige Versicherer hat (siehe dazu auch: Standpunkt «Überschüsse in der Grundversicherung»). Die so errechneten Prämien müssen jedes Jahr vom Bund bewilligt werden. Deshalb reichen die Versicherer diese zusammen mit den budgetierten Kosten sowie mit einem Überblick über den Versicherungsbestand jeweils Ende Juli beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein. Dieses erteilt schliesslich die Genehmigung auf Basis des Krankversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG).

Das System der Krankenversicherung basiert auf dem Solidaritätsprinzip. Das bedeutet, dass Personen bei guter Gesundheit auch für jene mit schlechter Gesundheit mit einzahlen. Doch das Solidaritätsprinzip spielt nicht nur zwischen Gesunden und Kranken. Es spielt auch zwischen den verschiedenen Krankenversicherern und nennt sich dort «Risikoausgleich».

Der Risikoausgleich ermöglicht einen finanziellen Ausgleich zwischen jenen Krankenversicherern, die mehrheitlich Kunden bei guter Gesundheit haben und solchen, deren Versicherten ein höheres Risiko haben, zu erkranken. Aktuell werden «Alter», «Geschlecht» und «Aufenthalte in einem Spital oder Pflegeheim im Vorjahr» als Indikatoren für das Risiko verwendet. Seit dem Jahr 2020 kommt der Indikator «Pharmazeutische Kostengruppen» (PCGs) hinzu. Es handelt sich dabei um Patienten, die an kostenintensiven chronischen Krankheiten leiden, wie beispielsweise Asthma, Diabetes oder Multiple Sklerose.

SWICA begrüsst einen möglichst umfassenden Risikoausgleich, da dieser den Qualitätswettbewerb fördert. Die Krankenversicherungen sollen sich durch gute Servicequalität, attraktive Angebote, kompetente Beratung sowie durch Begleitung von erkrankten und verunfallten Versicherten profilieren können.

Immer wieder versuchen dubiose, oft aggressiv auftretende Vermittler Kunden mit falschen Angaben zu einem Beratungstermin zu bewegen. So geben einzelne Vermittler am Telefon Prämienversprechen ab und behaupten, sie würden mit SWICA zusammenarbeiten.

SWICA distanziert sich in aller Form von diesen Praktiken: SWICA gibt keine Kundendaten an Dritte weiter und arbeitet entsprechend nicht mit Maklern oder Vermittlern zusammen, die Anrufe aus dem Ausland tätigen oder unseriöse Prämienvergünstigungen versprechen. Die Versicherungsdeckung ist von den individuellen Bedürfnissen der Versicherten abhängig. Diese können nur in einer seriösen Versicherungsberatung geklärt werden.

Um gegen diese unerwünschten Werbeanrufe vorzugehen, hat SWICA – zusammen mit 39 anderen Krankenversicherern – im Januar 2020 eine Branchenvereinbarung unterzeichnet. Die Unterzeichnenden verzichten auf telefonische Kaltakquise. Zudem begrenzen sie die Provisionen für Verkäufer. In der Grundversicherung gibt es maximal 70 Franken, bei der Zusatzversicherung ist die Provision auf eine Jahresprämie begrenzt. Des Weiteren geben Qualitäts- und Transparenzstandards den Kundinnen und Kunden mehr Rechtssicherheit. Die Vereinbarung tritt per 1. Januar 2021 in Kraft.

Sollten Sie telefonisch kontaktiert werden mit dem Hinweis, die Kontaktaufnahme erfolge im Auftrag von SWICA, sind wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dem Anrufenden folgende Fragen stellen:

  • Wie kommen Sie auf mich/uns?
  • Für welche Unternehmung arbeiten Sie?
  • Woher haben Sie meine Angaben?

Bitte notieren Sie sich diese Informationen und leiten Sie sie uns weiter. Lassen Sie sich die Telefonnummer des Anrufenden geben und übermitteln Sie diese via Kontaktformular an SWICA. Weiter haben Sie die Möglichkeit, dubiose Vermittler beim Branchenverband santésuisse oder beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO zu melden. Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Krankenversicherungen dürfen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) von Gesetzes wegen keinen Gewinn erzielen. Sie müssen die Prämien dazu verwenden, die Kosten für Leistungen zu decken. Erzielen sie doch einmal einen Überschuss, haben sie gemäss Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) zwei Möglichkeiten: Entweder, sie bezahlen ihren Kunden einen Teil der Prämien zurück oder sie lassen die Überschüsse in die Reserven fliessen. Bei SWICA fliessen Überschüsse vollumfänglich in die Reserven, denn das Gesetz verpflichtet die Versicherer auch dazu, Reserven zu bilden.

Da die Krankversicherung zum Sozialversicherungssystem der Schweiz gehört, kommen diese Reserven aber wieder der Gesamtheit aller Versicherten zugute. So stellen sie für die versicherten Personen die Deckung der Kosten aus Krankheit und Pflege sicher. Die Leistungserbringer ihrerseits haben die Sicherheit, dass ihre erbrachten Leistungen finanziell abgesichert sind.

Während die Krankenversicherer im Rahmen der OPK keinen Gewinn erwirtschaften dürfen, sieht das bei den Zusatzversicherungen anders aus. Diese unterstehen dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Dabei handelt es sich um ein gewinnorientiertes Privatversicherungsgeschäft, das der Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (Finma) unterstellt ist.
Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) gibt den Kantonen seit 2012 (neuer Art. 64) die Möglichkeit, eine Liste mit säumigen Prämienzahlerinnen und -zahlern zu führen. Versicherte, die ihre Krankenkassenprämien der Grundversicherung trotz Betreibung nicht bezahlen, werden von den Kantonen, die eine solche «schwarze Liste» im Einsatz haben, auf diese Liste gesetzt. Bei den registrierten Versicherten führt dies zu einem sogenannten Leistungsstopp, was bedeutet, dass sie nur noch in Notfällen medizinisch behandelt werden, es sei denn, sie bezahlen die Behandlungskosten bar. Mit dieser Massnahme erhoffen sich die Kantone mit schwarzer Liste, dass sich die Zahlungsmoral im Gesundheitswesen verbessert und Einsparungen erzielt werden.

Jeder Kanton kann individuell entscheiden, ob er eine schwarze Liste führt oder nicht. Aktuell (Stand Februar 2020) setzen sieben Kantone eine Liste ein. Dort sind die Krankenversicherer gesetzlich verpflichtet, Versicherte, die sie wegen ausstehenden Prämien oder Kostenbeteiligungen betreiben müssen, der zuständigen kantonalen Behörde zu melden. Einige Kantone, die eine schwarze Liste geführt haben, haben diese wieder abgeschafft, da sie zum Schluss gekommen sind, dass das Führen der Listen Geld kostet, nicht jedoch die Zahlungsmoral verbessert.

Unsere Analysen haben ebenfalls ergeben, dass sich in den Kantonen mit einer schwarzen Liste die Zahlungsmoral vor und nach der Einführung der schwarzen Liste nicht verändert hat. Deshalb lehnt SWICA den Einsatz von schwarzen Listen ab.
Als Krankenversicherer hat SWICA in der Grundversicherung den gesetzlichen Auftrag, eingereichte Rechnungen zu prüfen, ob sie wirtschaftlich, zweckmässig und wirksam sind. SWICA kontrolliert so jährlich rund zehn Millionen Rechnungen. Obwohl die meisten Leistungsabrechnungen korrekt sind, entdecken wir regelmässig Fehler. Nicht jeder Fehler wird jedoch bewusst gemacht. Eine sorgfältige Kontrolle durch die Versicherten ist daher wichtig. Verständliche Leistungsabrechnungen helfen, dass die Versicherten Fehler selber erkennen und diese SWICA melden können. Darauf gestützt können wir gezielte Kontrollen vornehmen.

Bezieht oder verrechnet jemand bewusst ungerechtfertigte Leistungen, ist das nicht nur unfair, sondern auch strafbar. In diesem Fall reden wir von Versicherungsmissbrauch, der allen Versicherten schadet. SWICA geht gezielt dagegen vor: Bei Unstimmigkeiten oder konkreten Hinweisen leitet die Abteilung «Bekämpfung Versicherungsmissbrauch» Abklärungen ein. Jährlich werden so rund hundert Fälle von Versicherungsmissbrauch aufgedeckt. SWICA hält sich dabei jederzeit an die sozialversicherungsrechtlichen Vorgaben.

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