Ernährungsberatung
Sandra Tibisch-Zaugg ist dipl. Ernährungsberaterin und arbeitet seit vielen Jahren im santémed Gesundheitszentrum in St. Gallen. Sie behandelt hauptsächlich Menschen, die wegen einer Erkrankung ihre Ernährung umstellen müssen. Eine ausgewogene Ernährung spielt aber auch bei der Vorbeugung von Krankheiten eine sehr wichtige Rolle. Die Ernährungsberaterin hilft, mit der Fülle des Nahrungsmittelangebots richtig umzugehen.
Frau Tibisch, wer kommt zu Ihnen in die Ernährungsberatung?
In der Mehrzahl sind es Patienten, welche mit einer klaren Diagnose von ihrem Hausarzt überwiesen werden. Zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden mit Übergewicht, Diabetes oder immer häufiger bei Magen- und Verdauungsproblemen. Kurz gesagt überall dort, wo die Ernährung für die Krankheit mitverantwortlich ist.
Kommen auch gesunde Menschen zu Ihnen in die Beratung?
Selbstverständlich! Insbesondere Sportler, welche sich bezüglich der idealen Sporternährung erkundigen. Ich führe aber auch Ernährungsberatungen bei Schwangerschaft und während der Stillzeit durch, begleite Personen vor und während eines Rauchstopps oder zeige an Kursen oder Beratungen den direkten Zusammenhang zwischen der Ernährung und Osteoporose auf und zwar sowohl in der Prävention als auch bei einer Erkrankung.
Wie läuft eine Ernährungsberatung im Normalfall ab?
In einem Erstgespräch geht es darum, Lebensumstände und Essgewohnheiten zu erfassen. Oft bildet das Essen eine Art Ventil bei Frustration, Ängsten und vor allem bei Stress. Es ist deshalb unabdingbar, dass ich die Arbeits- und Familiensituation sowie den Bewegungsfaktor kenne. Wie viel Zeit steht fürs Essen zur Verfügung, wer kocht, wie wird gekocht, Art und Menge der Speisen und Getränke usw. sind alles Fragen, welche geklärt sein müssen. In einem zweiten Schritt lege ich gemeinsam mit dem Patienten realistische Ziele fest und stecke den Zeitrahmen ab. Dabei weise ich von Anfang an darauf hin, dass für den Erfolg viele kleine Schritte nötig sein werden und Geduld gefordert ist. Als Nächstes besprechen wir eine bis zwei praktische Umsetzungsmöglichkeiten, die der Patient ausprobieren soll. Dazu gehören insbesondere Tipps zum Einkaufen und für die richtige Zubereitung der Speisen. Zudem lasse ich über zwei bis drei Wochen ein Esstagebuch führen, um die (Ess-)Gewohnheiten des Patienten kennen zu lernen.
Wie reagieren die Leute im Allgemeinen, wenn Sie Ihnen mitteilen, dass sie den Ernährungsplan umstellen müssen?
Viele haben aufgrund ihrer Krankheit gar keine andere Wahl. Aber sowohl sie als auch die anderen staunen nicht selten, wenn sie erfahren, was sie alles noch essen dürfen. Ich mache übrigens öfters die Erfahrung, dass etliche Leute Bedenken haben, in die Ernährungsberatung zu kommen, weil sie fälschlicherweise befürchten, dass ich ihnen etwas verbiete. Als Ernährungsberaterin will ich aber gar keine Verbote aufstellen, sondern vielmehr motivieren und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Genuss ist immer noch möglich. Ganz wichtig ist auch der gegenseitige Austausch. Dazu gehört nicht zuletzt, dass man die Empfehlungen hinterfragt. Je nachdem kann es auch sein, dass wir die Ernährungsempfehlungen abändern und anpassen müssen. Jeder Mensch is(s)t anders und reagiert anders. Deshalb ist die Ernährungsberatung auch eine sehr individuelle Angelegenheit.
Wie hat sich die Ernährung in der Schweiz in den letzten Jahren geändert?
Gross geändert hat sich die Ernährungsform nicht. Allerdings stelle ich fest, dass die Leute sich immer weniger Zeit zum Essen nehmen und das Bewusstsein, den Körper mit einer guten Kost zu pflegen, oft fehlt. Viele wissen gar nicht mehr, wie man kocht. Sei es, weil sie es verlernt oder weil sie es gar nie richtig gelernt haben. Leider sind auch immer mehr Kinder wegen fehlender Bewegung und falscher Ernährung übergewichtig. Mitverursacht wird diese Entwicklung unter anderem auch durch die Tatsache, dass heutzutage der Familientisch oft fehlt. Ältere Leute dagegen sind heute besser informiert als früher. Gerade Frühpensionierte wissen recht gut über die richtige Ernährung Bescheid und halten sich auch daran.